Ypsilanti-Scherzanruf hat keine strafrechtlichen Konsequenzen

Der Strafantrag der hessischen SPD gegen einen Radiomoderator wegen des Auftauchens eines nicht genehmigten Mitschnitts eines Scherztelefonats mit der frĂĽheren Landesvorsitzenden Andrea Ypsilanti auf YouTube ist abgewiesen worden.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Der Strafantrag der hessischen SPD gegen einen Moderator des niedersächsischen Radiosenders ffn wegen des Auftauchens eines nicht genehmigten Mitschnitts eines Scherztelefonats mit der früheren Landesvorsitzenden Andrea Ypsilanti auf der Internetplattform YouTube ist abgewiesen worden. Die Staatsanwaltschaft Hannover bestätigte am heutigen Mittwoch gegenüber heise online, dass das Verfahren eingestellt wurde. Der ffn-Moderator und Stimmenimitator Jochen Krause hatte Ypsilanti im September vergangenen Jahres angerufen und vorgegeben, sie spreche mit dem designierten SPD-Chef Franz Müntefering. Die inzwischen von ihren Posten als Landes- und Fraktionsvorsitzende zurückgetretene SPD-Politikerin ging Krause auf den Leim und plauderte mehrere Minuten lang über Parteitaktik und -personen. Obwohl die Hessen-SPD eine Veröffentlichung untersagte, gerieten Ausschnitte des "Crazyphone"-Gesprächs später ins Internet.

Wer die Datei mit dem Ypsilanti-Scherzanruf bei YouTube eingestellt hat, ist bis heute nicht geklärt. Krause erklärte damals in einem Interview, er sei sich keiner Schuld bewusst. Er wüsste nicht einmal, wie er solch einen Mitschnitt ins Internet stellen könnte. Ein strafrechtlich relevantes Verhalten sei Krause nicht nachzuweisen, erklärte jetzt Oberstaatsanwältin Irene Silinger. Zwar sind schon unbefugte Aufnahmen des "nichtöffentlich gesprochenen Wortes" nach Paragraf 201 StGB verboten, ffn konnte aber offenbar darlegen, dass man es mit der Löschung von nicht genehmigten Crazyphone-Aufnahmen normalerweise sehr genau nimmt. "Jahrelang gab es keine Beanstandungen", verdeutlichte die Oberstaatsanwältin. ffn sieht in der Einstellung des Verfahrens einen "Sieg des Humors" und kündigte an, dass es das "Spaßtelefon" auch künftig geben werde. Die hessische SPD und Andrea Ypsilanti äußerten sich bislang nicht öffentlich zu der Entscheidung der Staatsanwaltschaft. (pmz)