Initiative zur freien Wissenspublikation vor dem Start
Das vom Genfer CERN koordinierte Konsortium für Open-Access-Veröffentlichungen in der Teilchenphysik will nach mehreren Jahren Vorbereitung Anfang 2014 loslegen. Die Kosten soll ein Fonds abdecken.
Das vom Genfer CERN koordinierte Konsortium für frei zugängliche Veröffentlichungen in der Teilchenphysik will nach mehreren Jahren Vorbereitung am 1. Januar 2014 loslegen. Mit über 1000, auf 24 Länder verteilten Partnern aus dem Bibliotheks- und Verlagswesen sowie der Forschung handle es sich um die "weltweit größte Open-Access-Initiative", so die Europäische Organisation für Kernforschung in einer Vorankündigung. Auf Autoren und Leser kämen in diesem Rahmen keine Kosten zu. Wo heute nur Forscher über bestimmte Universitätsbibliotheken auf wissenschaftliche Artikel zugreifen können, soll dank der SCOAP3 genannten Initiative "Sponsoring Consortium for Open Access Publishing in Particle Physics" nun jeder Interessent das Material lesen können.
(Bild:Â Anna Pantelia/CERN)
Das Besondere ist die Finanzierungsform: Die Beteiligten bringen ihre Mittel, die sie bislang bereits für Abonnements oder das Prüfen und Redigieren elektronischer Zeitschriften auf dem Gebiet der Hochenergiephysik ausgegeben haben, in einen gemeinsamen Fonds ein. Aus diesem sollen Wissenschaftsverlage künftig die Veröffentlichungskosten, die pro Fachaufsatz auf 1000 bis 2000 US-Dollar geschätzt werden, direkt erhalten.
An Bord sind auch große internationale Fachverlage wie IOP Publishing, Springer und Elsevier. Vor allem letzterer steht anderen Open-Access-Formen, bei denen die Autoren ihre Artikel in Eigenregie veröffentlichen, sehr skeptisch gegenüber und sieht sich daher von Wissenschaftlern mit einem Boykottaufruf konfrontiert. Beim aktuellen Vorstoß haben sich die Verleger aber darauf eingelassen, dass die Abokosten für die beteiligten Bibliotheken reduziert werden, um den Fördertopf zu füllen.
Über das Konsortium sollen fertig redigierte und von Kollegen gegengelesene Artikel online verfügbar gemacht werden. Die Forscher der beteiligten Einrichtungen bleiben prinzipiell frei in der Wahl der Zeitschrift, in der sie ihre Ergebnisse veröffentlichen wollen. Ist der auserkorene Verlag Partner von SCOAP3, werden seine Leistungen über das Konsortium angerechnet. Die Texte stehen unter einer freizügigen Variante der neuen Creative-Commons-Lizenzversion, die neben der Weitergabe und -verarbeitung etwa auch Text- und Datenschürfen erlaubt und nur die Namensnennung des Autors erfordert. (thk)