Digitale Unterstützung für die Rekonstruktion des Kölner Stadtarchivs

Nach dem Einsturz des Historischen Archivs vorige Woche will eine Initiative auf einer Website Fotografien, Kopien und Verfilmungen sammeln, die Forscher zuvor von dem nun verschütteten Material angefertigt haben.

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Wissenschaftler haben eine Initiative gestartet, um die Rekonstruktion des eingestürzten Kölner Stadtarchivs zu unterstützen. Im digitalen Historischen Archiv sollen alle vorhandenen Vervielfältigungen der Archivalien zusammentragen werden, "um eine Grundlage für die Zeit nach der Bergung zu schaffen", wie der Initiator Priv.-Doz. Dr. Holger Simon von prometheus – Das verteilte digitale Bildarchiv für Forschung und Lehre erläutert. Er bittet alle Wissenschaftler, ihre Forschungsunterlagen nach Vervielfältigungen von Archivalien aus dem Stadtarchiv zu durchsuchen und ihre Fotografien, Kopien und Verfilmungen in das digitale Historische Archiv einzustellen.

Am Dienstag voriger Woche war das Gebäude in der Severinstraße, in dem das Archiv untergebracht war, eingestürzt. Im Laufe der Bergungsarbeiten wurde gestern nach Angaben der Kölner Polizei eine zweite verschüttete Person tot geborgen. Die Leiche lag demnach in 9,5 m Tiefe unter Straßenniveau und war von verdichteten Trümmern bedeckt. Derzeit geht man davon aus, dass der Einsturz der Gebäude durch Bauarbeiten an der unmittelbar benachbarten U-Bahn-Strecke ausgelöst wurde.

"Der Einsturz des Archivs ist eine menschliche und kulturhistorische Katastrophe, deren Ausmaß man erst langsam begreift", heißt es in einer Mitteilung der Initiative. Das Stadtarchiv sei eines der größten und auch ältesten gewesen. Dort seien seit 1320 die Beschlüsse des Rates protokolliert worden, sie hätten seit 1513 lückenlos vorgelegen. Das "Gedächtnis" der Stadt Köln habe Archivalien aus über 1000 Jahren Stadtgeschichte gehütet: mehr als 65.000 Urkunden, 26 Regalkilometer Akten, 104.000 Karten und Pläne, 50.000 Plakate, 780 Nachlässe und rund eine halbe Million Fotos. Diese materiellen Zeugnisse seien von Forschern aus der ganzen Welt rege konsultiert worden. Ein großer Teil des Archivs sei vermutlich unwiederbringlich zerstört, heißt es weiter in der Mitteilung. (anw)