Auf Nimmerwiedersehen, Mavericks! - Die Fortsetzung
Neulich beschrieb ich hier, wie ich Apple ein Schnippchen schlug und von Mavericks auf Snow Leopard downgradete - einfach, weil Apple mit dem Update mein Macbook zur Zumutung gemacht hatte. Lesen Sie nun, wie es mir gelang, meine gesamten Daten zu retten - obwohl Apple den Downgrade nicht will.
- Jens Lubbadeh
Neulich beschrieb ich hier, wie ich Apple ein Schnippchen schlug und von Mavericks auf Snow Leopard downgradete - einfach, weil Apple mit dem Update mein Macbook zur Zumutung gemacht hatte. Lesen Sie nun, wie es mir gelang, meine gesamten Daten zu retten – obwohl Apple den Downgrade nicht will.
Apple hat mein schönes weißes Macbook unbrauchbar gemacht. Der Übeltäter heißt Mavericks. Ich beschloss, das nicht hinzunehmen und machte den Downgrade auf Snow Leopard- das Betriebssystem, unter dem mein Gerät ideal funktioniert hatte.
Das Problem ist nur: Apple will nicht, dass man Downgradet. Apple will, dass man permanent upgradet - und immer Neues immer mehr konsumiert.
Lesen Sie nun, wie es mir gelang, meine ganzen Emails und Fotos zu retten.
Apple Mail speichert Mailboxes im mbox-Format. Das ist in Mavericks so und auch in Snow Leopard. Also versuche ich, einfach alles hinüberzukopieren, was in der User Library im Ordner Mail steckt. Doch es klappt nicht. Also versuche ich den Import. Mail bietet mir anfangs mehrere Optionen: Import aus Apple Mail. Dann noch diverse andere Formate. Und zuletzt Import von Dateien im mbox-Format. Ich versuche zuerst Import von „Apple Mail“ - er listet auch alle meine Ordner auf, bricht aber den Import mit einer Fehlermeldung ziemlich schnell ab.
Ich versuche mbox-Format – es klappt. Nach und nach importiert er tatsächlich meine gesamten 24.000 Emails. Aber wird er die Ordnerstruktur beibehalten, die ich mühsam aufgebaut habe? Oder einfach alles in einen Topf schmeißen – was katastrophal wäre. Ich habe alle Emails nach Jahren und Monaten geordnet, sowie nach Ein- und Ausgängen. Nach einer Weile finde ich im Bereich „Lokal“ einen Ordner „Importiert“. In ihm... fein säuberlich nach Jahren und Monaten sortiert alle 24.000 Emails. Geschafft! Das Mbox-Format ist also abwärtskompatibel. Aber es gibt zwei Schönheitsfehler: Für jeden Monat hat er einen Ordner mit Suffix .mbox angelegt, in dem sich nochmals ein Ordner names „mbox“ befindet. In ihm liegen die Mails. Und: Sie sind alle doppelt angelegt, jeweils eine von ihnen mit leerem Inhalt. Nun gut, das ist natürlich ärgerlich, aber die Hauptsache ist, dass die Texte und Anhänge überhaupt da sind und indiziert werden, sodass ich sie über die Suche finden kann.
Nun bleibt noch die härteste Nuss: iPhoto.
Im Netz lese ich, dass man angeblich mit einem Trick iPhoto downgraden können soll – indem man CMD und ALT gedrückt hält, während man das Programm öffnet. Ein Menü öffnet sich, das erlaubt, eine beschädigte iPhoto-Datenbank aus einem Backup zu reparieren. Mein Plan: iPhoto so zu öffnen und ihm dann meine Mavericks-iPhoto-Datenbank als Backup zu servieren, aus der er dann die Snow-Leopard-iPhoto-Datenbank neu aufbauen soll. Doch leider ist ausgerechnet dieser Menüpunkt bei mir ausgegraut.
Also gut, ich muss den Umweg gehen, sprich: Meine Fotos in iPhoto/Mavericks exportieren und in iPhoto/Snow Leopard importieren. Meine Hauptängste hierbei sind, dass a) meine ganze Albenordnerstruktur, b) meine ganzen Bildbearbeitungen und c) meine ganzen Videos verloren gehen könnten.
Es hilft nichts, ich muss es testen. Ich wechsele also wieder in Mavericks, öffne iPhoto und klappe meine Datenbank auf. Ich habe alle meine Bilder in Jahresordnern sortiert. In diesen wiederum sind alle Ereignisse als Alben abgelegt – ich mag die Ereignisübersicht in iPhoto nicht so gerne, daher habe ich meine Bilder gerne links als Albenbaum. Nun exportiere ich testweise den 2013-Jahresordner auf meine externe Backup-Platte. Als Bildeinstellung wähle ich Original. Dann starte ich. Es dauert eine Weile bis er durch ist – dabei waren das gerade mal 1000 Fotos. Ich klappe den Ordner 2013 auf der externen Festplatte auf. Großartig, er hat alle Unterordner mit den korrekten Ereignisnamen beibehalten. Jetzt prüfe ich deren Inhalt: Es sind alle Fotos und Videos enthalten. Ich prüfe die Videos – sie spielen korrekt ab. Ich prüfe die Bilder mit der Findervorschau – sie sind alle noch korrekt gedreht und die Farbanpassungen sind auch erhalten geblieben. Das sind schon mal gute Vorraussetzungen.
Also exportiere ich nun die ganzen restlichen Ordner – 18.000 Bilder sind es insgesamt. Das dauert nun mehr als eine Stunde und nun springt auch der Lüfter an. Aber dafür habe ich jetzt wirklich vollstes Verständnis.
Als er fertig exportiert hat, starte ich das System wieder unter Snow Leopard, starte iPhoto und importiere die Bilder. Wieder rauscht der LĂĽfter, wieder dauert es mehr als eine Stunde.
Geschafft, meine Bilder sind nun in iPhoto/Snow Leopard. Aber wieder gibt es einen Schönheitsfehler: Er hat die Ereignisse korrekt importiert. Aber die Fotoalbenstruktur muss ich neu aufbauen, so ich sie denn wiederhaben will. Das wäre eine Menge Handarbeit, ich müsste jedes Ereignis händisch in die linke Leiste ziehen. Nun ja, das schenke ich mir, vielleicht reicht ja auch die Sortierung in der Ereignisübersicht.
Einen ganzen Tag hat mich der Downgrade insgesamt gekostet. Aber es hat sich gelohnt. Dafür habe ich mein leises, benutzerfreundliches Macbook wieder. Außerdem auch die von Mavericks gestohlene Vorschau von Multimedia-Dateien im Finder. Und die Akkudauer hat sich verbessert. Mit einer vollen Ladung, Wifi aus, fast maximaler Bildschirmhelligkeit und Textarbeit in Word zeigt er mir sechs Stunden Restlaufzeit an. Und das, obwohl mein Akku drei Jahre alt ist und nur noch 80 Prozent Kapazität besitzt.
Vermisse ich Mavericks? Nicht im Geringsten. Was hat es denn an wirklichen Neuerungen gebracht? Tabs im Finder? War nett, aber vermisse ich nicht wirklich. Dass Apple ein geteiltes Fenster wie man es aus DOS-Tagen schon von Norton Commander gewöhnt war und was selbst Microsoft schon längst in seinem Datei-Explorer implementiert hat, nie bei seinem Finder eingeführt hat, ist ohnehin nur peinlich. Ich habe außerdem das Programm Pathfinder, das so viel mehr kann als der Finder.
Und sonst? Apple Maps? Sowas brauche ich unterwegs auf meinem Smartphone, aber bestimmt nicht an meinem stationären Rechner.
Aber das Allerschönste für mich ist: die Stille. Kein nervtötender Lüfter mehr, der ständig anspringt. Es ist nicht mehr nötig, denn das Macbook ist gleichbleibend lauwarm und nicht mehr heiß wie unter Mountain Lion und Mavericks. Endlich habe ich wieder mein leises Macbook zurück!
Und da ist dieses unnachahmlich befriedigende Gefühl, mich der Bevormundung Apples widersetzt zu haben. Fast fühle ich mich wie die Frau, die Big Brother in dem legendären Apple-Werbeclip den Hammer ins Gesicht schleudert. Apple, you will see, why 2014 won't be like 1984.
(jlu)