Umfrage: NSA-Affäre bringt Verschlüsselung ein bisschen in Mode

Seit Bekanntwerden der NSA-Aktivitäten ist in Deutschland die Zahl der Internetnutzer, die E-Mail oder Dateien verschlüsseln, zwar signifikant gestiegen. Aber die Mehrheit bleibt krypto-abstinent.

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Von
  • Jürgen Seeger

Auf rund 5 Millionen entsprechend 9 Prozent der Internetnutzer ist laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des ITK-Branchenverbands Bitkom die Zahl der Bundesbürger gestiegen, die für ihre E-Mails eine Verschlüsselungssoftware nutzen. Das entspricht einem Anstieg von rund 50 Prozent im Vergleich zum Juli dieses Jahres, kurz nach Aufdeckung der Spähaktionen. Damals waren es erst 3,3 Millionen oder 6 Prozent der Internetnutzer.

Persönliche Dateien verschlüsseln zurzeit rund 5,5 Millionen Bundesbürger, entsprechend 10 Prozent der Onliner. Im Juli waren es erst 4,4 Millionen oder 8 Prozent der deutschen Internetnutzer. Und laut Umfrage nutzen 13 Prozent der Onliner Anonymisierungsdienste wie Tor. Das entspricht rund 7 Millionen „anonymen Surfern“ (Juli: 11 Prozent).

Die Zahl der Benutzer von Verschlüsselungsverfahren ist zwar seit der NSA-Affäre gestiegen, aber immer noch nur Sache einer Minderheit.

(Bild: Bitkom)

Anders ausgedrückt: Eine überwältigende Mehrheit von 91 Prozent lebt damit, dass ihre E-Mails nicht vertraulicher als Postkarten sind. Die Gründe sind entweder technische Unkenntnis (61 Prozent) oder die Tatsache, dass die Kommunikationspartner keine Verschlüsselung einsetzen (56 %, Juli: 59 %). Ein Viertel hält Verschlüsselung grundsätzlich für zu aufwändig (Juli: 24 Prozent), 10 Prozent halten entsprechende Software für zu teuer.

Für Verunsicherung gesorgt haben offenbar auch die Meldungen über das Knacken von Verschlüsselungsprotokollen durch Geheimdienste: 13 Prozent der Befragten hielten auch Verschlüsselungssoftware nicht für sicher, dieser Wert hat sich seit Juli von 6 Prozent mehr als verdoppelt.

Laut Umfrage stört es 8 Prozent der Internetnutzer ohnehin nicht, wenn ihre Daten von Dritten eingesehen werden. Das sind immerhin rund 4,4 Millionen Personen. (js)