US-Ermittler: Megaupload wollte YouTube kopieren
Das US-Justizminsterium hat eine Sammlung seiner Beweise gegen den von Kim Dotcom gegrĂĽndeten vormaligen Sharehoster Megaupload vorgelegt. Demnach soll der Dienst 150 Millionen US-Dollar ĂĽber Abonnements eingenommen haben.
Das US-Justizministerium hat eine Sammlung seiner Vorwürfe und angeblichen Beweise gegen den früheren Sharehoster Megaupload veröffentlicht. Aus den 191 Seiten Unterlagen geht hervor, dass die von den Ermittlern so genannte Mega Conspiracy während ihrer Existenz 150 Millionen US-Dollar über Abonnements eingenommen haben soll. Über Werbung sollen 25 Millionen US-Dollar in die Kassen geflossen sein.
14,9 Millionen Videos
Kim Dotcom (aka Kim Schmitz aka Kimble) und sechs anderen, die Megaupload betrieben haben, wirft das Justizministerium vor, eine kriminelle Organisation gebildet zu haben, die unter anderem Urheberrechte verletzt und Geld gewaschen haben soll.
Als Megaupload am 19. Januar 2012 vom Netz genommen wurde, sollen sich auf den Servern von Megavideo 14,9 Millionen Videos befunden haben. 8,6 Millionen davon sollen mindestens einmal angesehen worden sein, geht aus der Zusammenfassung der Ermittler hervor (Seite 25). Insgesamt sollen die Videos, auf die 33 Millionen URL verwiesen haben sollen, 34,9 Milliarden Mal angeschaut worden sein. Für Titel, die 43 Prozent der Streams ausmachen, sollen so genannte take-down notice (Löschaufforderungen der Rechteinhaber) vorgelegen haben.
YouTube eins zu eins kopieren
Neben den Video-Datenbanken haben die Ermittler auch den E-Mail-Verkehr zwischen den Beschuldigten analysiert. Daraus gehe hervor, dass Dotcom vorgehabt hatte, Googles Videoplattform YouTube "eins zu eins" zu kopieren (Seite 19). Dabei überließen die YouTube-Nutzer dem Dienst lediglich die Nutzungsrechte an ihren Videos für diese Plattform. Die Videos zu kopieren und weiter zu verbreiten verstoße gegen das Copyright. Aus einem anderen E-Mail-Wechsel gehe hervor, dass die Beschuldigten sich nicht als "moderne Piraten" bezeichnet hätten, sondern als Dienstleister für Piraten.
Ein Anwalt von Dotcom weist die Vorwürfe des Justizministeriums als im strafrechtliche Sinne haltlos zurück. Laut dem US-Fachmagazin Variety sagte er, die meisten Beweise beträfen sekundäre Urheberrechtsverletzungen, die in den USA ziviler Natur seien.
Gegen Megaupload wurde im Januar 2012 eine große Razzia durchgeführt. Der in Neuseeland ansässige Gründer Kim Dotcom sowie weitere Mitarbeiter wurden vorübergehend festgenommen. Die US-Ankläger fordern seine Auslieferung aus Neuseeland und wollen ihm wegen massiver Urheberrechtsverletzungen den Prozess machen. Das Auslieferungsverfahren soll am 7. Juli 2014 beginnen. (anw)