Rassismusvorwurf gegen Indiegogo
Eine Kanadierin hat für eine Reise in den Iran auf der Crowdfunding-Plattorm Geld eingesammelt. Das will ihr das Unternehmen aber erst auszahlen, wenn sie schriftlich bestätigt, keine iranische Agentin zu sein. Die Frau fühlt sich diskriminiert.
Die Wortfolge "Operation Iran" hat bei Indiegogo Erstaunliches ausgelöst. Die Plattform für Schwarmfinanzierungen möchte nicht, dass eine junge Kanadierin ihre Mutter im Iran besucht – zumindest nicht mit Geld, das sie für diesen Zweck über Indiegogo gesammelt hat. Das Unternehmen unterstellt der Frau sogar indirekt, ein iranischer Agent zu sein. Die Betroffene bezichtigt Indiegogo der rassistischen Diskriminierung.
Alelah Sahabi ist 29 Jahre alt und lebt im kanadischen Vancouver, ihre Mutter im Iran. Vor mehr als 20 Jahren haben sich die beiden das letzte Mal gesehen. Über Facebook konnte Sahabi ihre Mutter wiederfinden und möchte sie nun gerne besuchen. Weil das ins Geld geht, bat die junge Frau auf Indiegogo unter dem Titel "Operation Iran" um Spenden für die Reisekosten. Familie und Freunde gaben über 800 kanadische Dollar (550 Euro). Doch Indiegogo hat den Familienbesuch gestoppt bevor er begonnen hat.
Wie die kanadische Rundfunkanstalt CBC berichtet, verlangt Indiegogo, dass Sahabi den Namen ihres Spendenaufrufes ändert. Vor allem aber soll sie eine lange Erklärung unterzeichnen. Darin würde sie zustimmen, vor ihrer Reise eine Genehmigung der US-Regierung einzuholen "selbst in Fällen, in denen lokales Recht keine Vorabgenehmigung für Reisen in den Iran vorschreibt". Eine solche Genehmigungspflicht besteht weder in Kanada noch in den USA.
Die Kanadierin soll außerdem garantieren, dass die Kampagne unabhängig von der iranischen Regierung läuft, dass sie selbst kein Agent der iranischen Regierung ist oder auf deren Anweisung oder Anregung handelt und keinen US-Sanktionen unterliegt.
DarĂĽber hinaus soll Sahabi zustimmen, dass Indiegogo jederzeit weitere Informationen und Garantien einfordern und das Geld behalten darf, wenn Sahabi nicht alle Forderungen befolgt. "Ich glaube die ganze Situation ist ein bisschen rassistisch. Ich bin Kanadierin und sie unterstellen mir, kriminell zu sein, und zwingen mich dazu, dieses Dokument zu unterschreiben, dass ich keine Kriminelle bin", sagte
sie gegenĂĽber CBC.
Die "Operation Iran" ist derzeit nicht auffindbar. Ob Indiegogo das bereits gesammelte Geld ausschĂĽtten wird, ist offen. Auf Anfragen von heise online hat die Crowdsourcing-Plattform bisher nicht reagiert. (jra)