Reisebranche im Umbruch: Lufthansa baut Online-Vertrieb aus

Auch der Tourismus-Industrie steht in den Zeiten des Internet ein Umbruch bevor; die Lufthansa zieht daraus bereits die Konsequenzen.

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Von
  • JĂĽrgen Kuri

Die deutsche Airline Lufthansa will in den nächsten sechs Monaten den Direktvertrieb von Flugreisen über das Internet massiv ausbauen. In einem Gespräch mit dpa kündigte der Lufthansa-Vertriebsvorstand Thierry Antinori an, die Airline plane im Online-Vertrieb ein Netz unterschiedlicher Absatzkanäle und Partnerschaften.

"In Zukunft wird der Endverbraucher immer mehr Macht haben. Der Kunde wird die Preise bestimmten", erklärte Antinori. Die Unternehmen seien daher bestrebt, den Kunden im Netzwerk der eigenen Fluggesellschaft zu halten, was zu einer Veränderung der bisherigen Vertriebsketten führen müsse. Entscheidender Faktor für den Markterfolg sei ein möglichst schneller Zugang zum Kunden. Auch ein gemeinsamer Internet-Auftritt europäischer Fluggesellschaften sei im Gespräch.

Als Beispiel für die Änderung des Kaufverhaltens von Urlaubern und Geschäftsreisenden nannte Antinori No-Name-Tickets zu Niedrigpreisen oder Miniauktionen zwischen Kunden und Fluggesellschaften. "Wenn ein Kunde nach Bangkok will, nennt er den Preis, zu dem er reisen will. Die Fluggesellschaften entscheiden dann, ob und zu welchen Konditionen sie sein Gebot annehmen wollen, beispielsweise nur an einem Dienstag", erläuterte der Lufthansa-Manager. "Amerikanische Internet-Firmen, die mit diesem Konzept in den USA erfolgreich sind, greifen jetzt den europäischen Markt an", ergänzte Antinori. Die Lufthansa sei daher sowohl mit europäischen als auch mit amerikanischen neuen Firmen im Gespräch. Und er betonte: "Wir möchten die Spielregeln in diesem Bereich mitbestimmen."

Die Ankündigungen der Lufthansa erfolgten am Rande der Internationalem Tourismus-Börse in Berlin, des weltgrößten Branchentreffs der Reiseveranstalter, der heute Morgen begann. Zwar betonte auch der Lufthansa-Manager Antinori, dass der traditionelle Vertrieb von Reisen noch sehr lange existieren werde, die Messe steht aber offensichtlich im Zeichen des Wandels. Online und Internet sind auch in der Tourismus-Industrie die Schlagwörter der Stunde. Dabei sehen sich gerade die Reisebüros direkter Konkurrenz durch Veranstalter ausgesetzt, die über den Internet-Direktvertrieb den Reise-Zwischenhändlern nach und nach das Wasser abgraben könnten. Experten bezweifeln, dass die Vermittler durch zusätzliche Gebühren, wie viele Büros sie planen, ihre Existenz sichern können – allein Zusatznutzen durch besonderen Service und eigene Internet-Dienste könne in Zukunft noch reisefreudige Urlauber in die örtlichen Büros locken. (jk)