ESA-Sonde Rosetta: Dornröschenschlaf vor dem Ende

In wenigen Tagen soll die ESA-Sonde Rosetta automatisch aus ihrem Tiefschlaf erwachen. Dann soll sie die letzte Etappe zu Tschurjumow-Gerasimenko zurücklegen, dem ersten Kometen, der mit einem Landegerät erforscht werden soll.

vorlesen Druckansicht 47 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.

Am 20. Januar soll die ESA-Sonde Rosetta aus ihrem jahrelangen Tiefschlaf erwachen, um den letzten Teil ihrer Reise zum Kometen Tschurjumow-Gerasimenko zurückzulegen. Dort soll Rosetta in eine Umlaufbahn einschwenken und unter anderem den Lander Philae absetzen, der dem Kometen aufsetzen soll. Das wäre das erste Mal, dass solch eine Landung gelingt, die Mission ist deswegen auch eine der wichtigsten der europäischen Weltraumagentur ESA in diesem Jahr.

Der lange Weg von Rosetta hatte Anfang März 2004 nach Defekten erst im dritten Anlauf am Weltraumbahnhof Korou in Französisch-Guayana begonnen. Danach holte die Sonde bei insgesamt drei Vorbeiflügen an der Erde und einem am Mars Schwung und flog auf ihrem Weg an den Asteroiden Steins und Lutetia vorbei. Im Juni 2011 wurde die Sonde dann in einen Tiefschlafmodus versetzt, während sie sich bis hinaus zur Umlaufbahn des Jupiter bewegte. Die Sonnensegel waren dabei auf die Sonne ausgerichtet, um so viel wie möglich des schwachen Lichts abzufangen, erklärt die ESA.

Wenn der interne Wecker die Sonde am 20. Januar um 10 Uhr UTC (11 Uhr MEZ) aus ihrem Tiefschlaf holt, befindet sie sich bereits wieder auf dem Weg zurück ins innere des Sonnensystems. Sie wird dann rund 637 Millionen Kilometer (4,5 AE) von der Sonne und noch 9 Millionen Kilometer von Tschurjumow-Gerasimenko entfernt sein. Planmäßig soll sich die Sonde dann ausrichten und das Team auf der Erde hofft auf eine Kontaktaufnahme noch bis zum Abend. Wenn dann alles planmäßig läuft, werden die Instrumente nach und nach getestet, während sich Rosetta ihrem Zielkometen bis Mai auf rund 2 Millionen Kilometer nähert. Dann sollen erste Fotos gemacht werden und ein Manöver die Sonde auf ihr Ziel ausrichten.

KĂĽnstlerische Darstellung der Sonden am Kometen

(Bild: ESA–C. Carreau/ATG medialab)

Wenn Rosetta dann im Herbst in eine Umlaufbahn um den Kometen eingeschwenkt ist, soll dessen Oberfläche genau kartografiert und untersucht werden. Erst dann soll eine Landestelle für die 100 Kilogramm schwere Sonde Philae ausgewählt werden. Da der etwa 4 Kilometer durchmessende Komet nur eine sehr geringe Gravitation aufweist, soll sich Philae daran festhaken. Geplant ist laut ESA eine Panoramaaufnahme und die Analyse der Oberfläche. Außerdem sollen Bodenproben aus 20 bis 30 Zentimetern Tiefe herausgebohrt und untersucht werden.

In diesem Zeitraum wird das Trio aus Komet und zwei Sonden weiter mit rund 100.000 Kilometern pro Stunde unterwegs sein und sich der Sonne annähern. Die Veränderungen, die das an dem Himmelskörper hervorruft, sind ebenfalls von Interesse für die Forscher. Am 13. August 2015 wird dann mit rund 185 Millionen Kilometern Abstand zwischen den Umlaufbahnen von Erde und Mars der sonnennächste Punkt der Umlaufbahn des Kometen erreicht.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes YouTube-Video (Google Ireland Limited) geladen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (Google Ireland Limited) übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Wie Curiosity soll Rosetta twittern.

Um nun jedoch erst einmal das Ende des zweieinhalbjährigen Tiefschlafs vorzubereiten, hat die ESA einen Videowettbewerb ausgerufen. Noch bis zum 20. Januar sollen sich Teilnehmer dabei filmen, wie sie die Sonde mit "Wake up, Rosetta" wecken. Über die Ergebnisse kann öffentlich abgestimmt werden und die zehn Gewinnerbeiträge sollen über ESA-Antennen mit 20.000 Watt zu Rosetta und darüber hinaus gesendet werden. Ist die Sonde geweckt, soll außerdem der offizielle Twitter-Channel loslegen. Während der bislang nur mitteilt, dass die Sonde noch schläft, halten sich die Macher auf dem Channel von Philae weniger zurück. (mho)