EU testet Interoperabilität der elektronischen Reisepässe
In Prag hat die EU einen Test zur Auslesbarkeit der Fingerabdrücke veranstaltet. Die deutschen Pässe schnitten "passabel" ab.
Bis zum Juni 2009 müssen alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union elektronische Reisepässe ausgeben, die neben dem biometrischen Passbild auch die Fingerabdrücke gespeichert haben. Während Deutschland seit 2007 die Fingerabdrücke speichert, setzen andere EU-Staaten die Richtlinie erst jetzt um. In Prag hat darum die EU einen Interoperabilitäts-Test zur Auslesbarkeit der Fingerabdrücke veranstaltet. Die Ergebnisse (PDF-Datei) wurden dieser Tage veröffentlicht.
Im Unterschied zu dem auf einem Chip im Pass gespeicherten Lichtbild sind die dort gespeicherten Fingerabdrücke besonders gesichert. Während das Lichtbild mit einem Zugangsschlüssel abgerufen wird, der aus der maschinenlesbaren Zone des Passes gebildet wird (Basic Access Control), muss sich das Lesegerät bei den Fingerabdrücken gegenüber dem Pass authentifizieren (Extended Access Control), ehe ein sicherer Kommunikationskanal aufgebaut wird. Dieses Verfahren, das im Vollausbau mit einer vernetzten PKI aller EU-Staaten arbeiten soll, wurde in Prag einem ausführlichen Interoperabilitätstest unterworfen.
Bei den erstmals durchgeführten PKI-Tests schnitten die deutschen Pässe "passabel" ab. Allerdings stellte sich heraus, dass es unter den EU-Staaten unterschiedliche Auffassungen zur PKI-Testsuite und den Testwerkzeugen gibt, die noch harmonisiert werden müssen. "Sehr zufriedenstellend" schnitten allgemein die elektronischen Pässe der EU-Staaten im sogenannten Konformitätstest ab, bei dem die Einhaltung technischer Standard geprüft wird.
Hingegen fiel der sogenannte Crossover-Test mit Pässen anderer Länder (neu dabei unter anderem Südkorea und Kasachstan) vergleichsweise schlecht aus. Dieser Crossover-Test, bei dem alle Pässe auf allen Lesegeräten auf ihre einfache Lesefähigkeit geprüft werden, entspricht am ehesten der Alltagssituation an einer Grenzkontrolle. Die Ergebnisse des letzten Interoperabilitäts-Tests in Paris 2007 (PDF-Datei) waren deutlich besser. Eine Arbeitsgruppe soll nun die Gründe für den "Leistungsabfall" untersuchen.
Erstmals nahm in Prag ein ePass-Simulator an den Interoperabilitätstests teil. Der von der Paderborner Firma HJP Consulting (PDF-Datei) in Zusammenarbeit mit dem BSI entwickelte Simulator ist eine Kombination aus Lesegerät und Software, mit der ein komplettes Pass-System simuliert werden kann, ehe die Chips für den Pass produziert sind. Laut HJP Consulting absolvierte der Simulator seine Aufgaben mit Bravour. Die Firma, die mit GlobalTester ein Open Source-System für die Kontrolle der Pässe veröffentlicht hat, hofft, dass ihr Simulator von der EU als Referenzsystem anerkannt wird. (Detlef Borchers) / (anw)