Angetestet: Das Aldi-Notebook Medion Akoya E7226T

In Medions 17-Zoll-Notebook Akoya E7226T, das seit dem 16. Januar bei Aldi verkauft wird, steckt ein Pentium-Prozessor mit Atom-Innenleben.

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Medion Akoya E7226T

Als vor ein paar Jahren die Netbooks boomten und manche Hersteller die dafür vorgesehenen arg schwachen Prozessoren auch in größere Notebooks einsetzen wollten, sprach Intel ein Machtwort: keine Atom-CPUs in normalgroßen Notebooks. In gewisser Weise gilt das noch immer, allerdings anders, als man zunächst denkt: Nur in Tablets heißt die aktuelle Chipgeneration mit Codenamen Bay-Trail noch Atom – den Varianten für Notebooks und Desktop-PCs hat Intel hingegen die Markennamen Celeron und Pentium aufgedrückt.

Eines der ersten großen Notebooks mit so einem Atom-Pentium ist Medions seit dem 16. Januar bei Aldi verkauftes Akoya E7226T mit 17-Zoll-Touchscreen. Die vier Kerne seines Pentium N3520, dem derzeit schnellsten Bay-Trail-Prozessor, arbeiten mit 2,16 GHz, mit Turbo bis 2,42 GHz. Die hohen Frequenzen und die vielen Kerne sind allerdings eher Makulatur: Schon der langsamste Core i3-4020Y mit Haswell-Innenleben ist minimal schneller, benötigt dafür aber bestenfalls 1,5 GHz – und das mit nur zwei CPU-Kernen.

Trotz Hybrid-Festplatte mit SSD-Cache dauert bereits das Starten von Anwendungen auf dem E7226T recht lange, bei aufwändigen Foto-Filtern sollte man viel Wartezeit einkalkulieren. HD-Videos spielt das Gerät ruckelfrei ab. Ans Video-Umwandeln für's Smartphone oder Tablet ist jedoch nicht zu denken, denn den flotten Hardware-Transkodierer Quick Sync hat Intel beim Pentium N3520 aus politischen Gründen deaktiviert – den gibt es nur bei echten Atom-CPUs, die auch so heißen.

Innenleben: Der Prozessor sitzt unter dem mittigen Metallplättchen.


Dass der N3520 höchstens 7,5 Watt Abwärme erzeugt, ist in einem 17-Zoll-Notebook völlig egal, da hier genug Platz zur Kühlung bereit steht. Dennoch kommt das Akoya E7226T nicht ohne Lüfter aus, der unter Last zudem hörbar vor sich hin rauscht. Hintergrund ist das arg seltsame Kühlkonzept: Auf dem Prozessor klemmt lediglich ein kleines Metallplättchen. Zum Lüfter selbst führt keine Heatpipe oder ähnliches: Wird es dem Chip zu warm, so muss der Lüfter einen Luftfluss durchs gesamte Gehäuse schaffen, der dann auch am Prozessor zum Kühlen vorbei kommt.

Anders als zunächst befürchtet ist der Arbeitsspeicher nicht fest aufgelötet, sondern kann nach Abnehmen der Bodenplatte getauscht werden. Ab Werk ist nur einer der beiden Slots bestückt, was Aufrüster freut. Wer das Gerät allerdings im Auslieferungszustand benutzt, was wohl auf das Gros der Aldi-Käufer zutreffen dürfte, der muss mit einem ausgebremsten lahmen Prozessor auskommen, weil nur einer der beiden möglichen RAM-Kanäle benutzt werden kann.

Die Vorinstallation von Windows 8.1 (in der 64-Bit-Version) ist mit etlichen Dreingaben garniert: Außer der obligatorischen Testversion des Kaspersky-Virenscanners findet man auf dem Desktop Web-Shortcuts zu allen erdenklichen Aldi-Diensten wie Aldi Foto, Aldi Blumen, Aldi Reisen, Aldi Talk, den Medion Services und eBay. Zu den weiteren Beigaben zählen Cyberlinks Multimedia-Paket Home Cinema 10 (unter anderem Media Espresso, PowerDVD und YouCam) und einer App-Sammlung von Ashampoo (etwa Burning Studio und Photo Commander). Im Vergleich zum im Herbst verkauften Akoya E1318T fehlt eine Vollversion von Microsofts Office-Paket: Hier ist nur eine 30-Tage-Testversion an Bord.

Der Anschlag der Tastatur ist eher weich, jeder Tipper wird mit einem hellen Geräusch quittiert. Am Layout samt großen Cursor-Blocks gibt es nichts auszusetzen, an die etwas schmaleren Tasten des Ziffernblocks gewöhnt man sich schnell. Das Touchpad ist ordentlich, dedizierte Maustasten fehlen aber. Die Lautsprecher wurden laut Beschriftung von Dolby optimiert, klingen aber dennoch blechern-schräg.

Der Bildschirm zeigt 1600 × 900 Punkte, was deutlich alltagstauglicher ist als die 1366er-Panels, die bei Display-Diagonalen kleiner 17 Zoll noch üblich sind. Der Touchscreen erkennt Eingaben mit bis zu 10 Berührungen gleichzeitig, wirkt aber anders als bei flachen Ultrabooks wie nachträglich aufgesetzt: Zwischen Touch-Scheibe und eigentlichem Bildschirm befindet sich ein sichtbarer Luftspalt. Der Bildschirm zeigt eine TN-typische Blickwinkelabhängigkeit, wenngleich letztere hier nicht so schlimm wie bei manch anderem Notebook ausgeprägt ist. Störend fällt jedoch auf, dass die Helligkeit mit maximal 190 cd/m2 für ein Spiegeldisplay recht gering ausfällt und schon bei kleinen Abweichungen von einem senkrechten Draufblick sichtbar nachlässt. Vor allem bei seitlichem Blick sieht man mehr Spiegelungen der Umgebung als eigentlichen Bildschirminhalt.

Der WLAN-Adapter funkt ausschließlich im 2,4-GHz-Band, zusätzlich steht eine Fast-Ethernet-Buchse bereit. Eine der drei USB-Buchsen spricht USB 3.0, externe Monitore finden per HDMI Anschluss. Trotz stromsparenden Prozessors sind kaum mehr als vier Stunden Laufzeit drin, weil der Bildschirm der größte Stromfresser im System ist.

Fazit

Wer einen 17-Zöller mit Touchscreen und großer Hybrid-Platte wünscht, bekommt mit dem Akoya E7226T einen ordentlichen Gegenwert für seine 500 Euro – Aldi-typisch sogar mit drei Jahren Garantie. Ohne Touchscreen und mit Festplattenkapazitäten ab 500 GByte starten konkurrierende 17-Zöller allerdings bereits bei 400 Euro inklusive Windows-Lizenz. Dort sind Celeron- und Pentium-Derivate der deutlich potenteren Core-i-Prozessoren an Bord, die eine spürbar höhere Rechenleistung abliefern als der hier verbaute und als Pentium verkaufte Vierkern-Atom. Sogar Medion selbst hat so ein potenteres Gerät im Angebot, nämlich das Akoya E7223 für 530 Euro mit mattem Bildschirm oder der gleichteure Bruder E7223T mit Touchscreen. (mue)