Eigenart

Mit dem Release 6 von ownCloud gehen die Entwickler einen Schritt weiter in Richtung Kollaboration. Die Community-Version steht zum Download bereit.

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Von
  • Thomas Drilling
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Mehr und mehr Open-Source-Anbieter stecken derzeit ihre Claims in der Cloud ab, trotz der durch die Snowden-Enthüllungen verstärkten Sicherheitszweifel. Das Unternehmen ownCloud, das Hersteller der gleichnamigen PHP-Software zum Betreiben einer privaten Wolke ist, hat die Version 6 der Community-Variante von ownCloud freigegeben. Mit dem Konzept, eine Wolke auf eigener Hardware zu betreiben, dürften Anwender im Gegensatz zu Dropbox & Co weniger Sicherheitsbedenken haben.

Ursprünglich hatte der jetzige CTO und Hauptentwickler Frank Karlitschek im Jahr 2010 die Software als ortsunabhängigen Speicherdienst konzipiert. Die Alternative [1] zu Dropbox [2] können Anwender auf eigener Hardware betreiben und damit eine abstrahierte Dateiablage anbieten. Dank ihrer Plug-in-Schnittstelle hat sich das System stetig weiterentwickelt.

Inzwischen lässt sich ownCloud nicht nur als Webspace einsetzen, sondern auch zum Synchronisieren von Desktops, zum Teilen von Dateien mit anderen Nutzern oder Gruppen auf Basis einer veröffentlichten URL, als Kalender, Aufgabenplaner, Adressbuch, Lesezeichenverwaltung, Fotogalerie sowie als Betrachter für Dokumente im PDF- und OpenDocument-Format. Sogar eine Wiedergabefunktion für Musik steht zur Verfügung. ownCloud kann die Daten auf dem Server genau wie deren Übertragung verschlüsseln und externe Speichermedien sowie Cloud-Dienste einbinden. Alternativ zum Browser gibt es native Clients für Linux, Windows, Mac OS, iOS und Android.

Traditionell widmen sich die ownCloud-Entwickler zuerst der Community-Version, bevor – in der Regel rund drei Monaten später – die Enterprise-Variante folgt. Diese bietet die Firma ownCloud in Form eines pro Nutzer und Monat berechneten Abonnements an. Dass ein Major Release maßgebliche neue Funktionen erhält, darf man erwarten. Neben dem bisherigen Texteditor mit Syntax-Highlighting und Code-Schachtelung enthält die Community-Version unter anderem eine Online-Textverarbeitung mit der Bezeichnung „ownCloud Documents“.

Anwender können mit ownCloud Documents Schriftstücke im Open Document Format (ODF) direkt im ownCloud-Web-Interface betrachten und editieren. Darüber hinaus können Nutzer Dokumente hochladen und gemeinsam weiter bearbeiten.


Kollaborativ: Neben dem bisherigen Editor mit Syntax-Highlighting gibt es bei ownCloud 6 eine Online-Textverarbeitung mit Kollaborationsfähigkeit als App.

Die gebotenen Funktionen sind allerdings noch recht übersichtlich: Derzeit stehen lediglich neun Schriftarten zur Verfügung. Stil und Schriftgröße lassen sich nur in Form von HTML-Tags setzen. Außerdem gibt es in ownCloud Documents Symbole für Fett- und Kursivschrift, zum Durch- oder Unterstreichen sowie eine Absatzformatierung.

Beim Überarbeiten der Benutzeroberfläche haben die ownCloud-Entwickler überflüssige visuelle Elemente entfernt. Nutzer können Avatare hinzufügen. Deren Profilbilder erscheinen beim gemeinsamen Arbeiten rechts im jeweiligen Dokument. Die Textverarbeitung entstand auf Grundlage der JavaScript-Bibliothek WebODF, die unter anderem für die Darstellung von ODF-Dokumenten in HTML und CSS zuständig ist. Der integrierte SessionController steuert außerdem die kollisionsfreie Zusammenarbeit, wenn mehrere an einem Dokument arbeiten. Die freie Software stammt von der KO GmbH und steht unter AGPL (Affero General Public License).

Mehr Infos

iX-Wertung

⊕ dank neu implementierter Benachrichtigungen benutzerfreundlicher
⊕ App-Verwaltung gegenüber Vorgänger schlanker, weniger Apps per Default
⊕ neuer Dialog für das Hochladen vorhandener Dateien
⊖ Textverarbeitungs-App noch rudimentär
⊖ serverseitige Verschlüsselung nur per mt_rand()
⊖ Schlüssel samt Benutzerpasswort speichert Blowfish im ECB-Mode auf dem Server

Außerdem haben die Entwickler die sozialen Funktionen ausgebaut, etwa in Form eines Activity Streams, der über Vorgänge in der Wolke Buch führt und ownCloud-Betreiber unterstützt, sämtliche Aktivitäten in der eigenen Cloud zu überwachen. Der Feed zeigt unter anderem an, welche Dateien zuletzt hochgeladen wurden und welcher Nutzer eine Datei teilen möchte. Wer auf dem Laufenden bleiben möchte, kann den Feed als RSS abonnieren.

Im Unterschied zur vorherigen Version kann ownCloud Fotos im JPG-Format als Vorschau anzeigen. Andere Dateitypen versieht ownCloud jetzt mit unterscheidbaren Piktogrammen. Gelöschte Files kann der Anwender über die Benutzeroberfläche wiederherstellen lassen. Ferner dürfen ownCloud-Nutzer jetzt Bildergalerien via Mail mit anderen Nutzern teilen (siehe Aufmacher).

ownCloud 6 bietet darüber hinaus eine Reihe offener APIs, die Entwickler beim Schreiben von Apps unterstützen; sie sollen in künftigen Versionen von ownCloud stabil bleiben. Unter den Programmierschnittstellen findet sich nun eine, die für das Sharing auf Desktop- und Mobil-Clients gedacht ist. Weitere Details zu den Neuerungen stehen im Changelog (siehe „Alle Links“).

arbeitet seit 15 Jahren als freiberuflicher IT- und Technik-Journalist mit Schwerpunkt Linux und Open Source.

[1] Udo Seidel; Cloud Storage; Wolkiges Puzzle; Dropbox-Alternativen AeroFS und ownCloud; iX 10/2013, S. 52

[2] Jürgen Seeger; Cloud-Speicher; Verteilt sammeln; Cloud-zentrierte Informationsverwaltung – Dropbox, Evernote, Google Drive; iX 6/2012, S. 66

Alle Links: www.ix.de/ix1402068

(rh)