Telepräsenz für alle

Mit dem Beam+ will Suitable Technologies Menschen dabei helfen, auch aus der Ferne bei Familienangehörigen zu sein. Damit sollen Telepräsenz-Geräte den Sprung vom Firmen- zum Verbraucherprodukt schaffen.

vorlesen Druckansicht 5 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Tom Simonite

Mit dem Beam+ will Suitable Technologies Menschen dabei helfen, auch aus der Ferne bei Familienangehörigen zu sein. Damit sollen Telepräsenz-Geräte den Sprung vom Firmen- zum Verbraucherprodukt schaffen.

Als Scott Hassan kürzlich in Las Vegas auf der Consumer Electronics Show war, schaffte er es auch im Hotelzimmer, mit seinen daheim gebliebenen Kindern zu frühstücken. Er saß mit am Küchentisch, wenn auch nur auf einem Bildschirm. Der gehört zum Beam+, einem Telepräsenz-Gerät, das seine Firma Suitable Technologies demnächst auf den Markt bringt. Im Sommer soll das es auch bei Online-Händlern erhältlich sein.

Der Beam+ besteht aus einem 10-Zoll-Display mit einer Kamera, die auf einen fahrbaren Untersatz montiert ist. Hassan erwartet, dass sich vor allem Geschäftsleute für das Gerät begeistern werden, um auch auf Reisen ihren Kindern nahe zu sein. Oder Menschen, deren Eltern in einer anderen Stadt wohnen: Sie könnten öfter nach dem Rechten sehen, auch wenn sie nicht persönlich vorbeikommen können. Dank der Kamera könnten sie ganz unaufdringlich prüfen, ob die Eltern ihre Medikamente nehmen, anstatt diese am Telefon auszufragen, sagt Hassan.

„Für Alzheimer-Patienten ist es viel besser, ein vertrautes Gesicht zu sehen als nur einen Telefonanruf zu bekommen“, sagt der Gründer von Suitable Technologies. „Sie könnten sich auch einfach ins Wohnzimmer ‚beamen’ und mit Ihrer Großmutter Jeopardy anschauen.“

Ist der Beam+ einsatzbereit, kann sich jeder mit seinen persönlichen Zugangsdaten aus der Ferne einloggen und das Gerät herummanövrieren. Die Steuersoftware zeigt das Bild an, dass die Kamera an dem anderen Ort aufnimmt. Zusätzlich gibt es auch einen Blickwinkel nach unten auf die Räder, um das Gerät sicherer zu bewegen. Gesteuert wird es, indem man den Mauszeiger über die Ansicht des Raumes bewegt und ein Ziel anklickt.

Die ersten 1000 Exemplare können bei Suitable Technologies für einen Aktionspreis von 995 Dollar vorbestellt werden. Der reguläre Preis soll später bei 1.995 Dollar liegen. Im Preis eingeschlossen ist eine Ladestation, an der das Gerät alle zwei Stunden zum Aufladen der Akkus andocken muss. Beam+ wurde von Fred Bould designt, der auch schon den Thermostat von Nest entworfen hat. Im Unterschied zum Vorgängermodell Beam ist der Beam+ auch kleiner und billiger. Zielgruppe des Beam waren bisher Firmen.

Intel, IBM und Square nutzen den Beam bereits als Alternative zu Videochats, um ihren Angestellten eine Telepräsenz an anderen Standorten zu ermöglichen, wenn sie dort mit Kollegen an einem Projekt arbeiten. Doch würden sich nicht nur IT-Firmen für das Gerät interessieren, sagt Hassan. In Las Vegas hat er zwei Exemplare an ein Restaurant verkauft. Die wollen sie als Lockvögel für Passanten auf der Straße einsetzen. Im kalifornischen Lake Tahoe nutzt sie bereits ein Immobilienmakler, um Kunden Luxuswohnungen zu zeigen.

Telepräsenz-Geräte bieten inzwischen einige Firmen an, darunter auch iRobot, der Hersteller des Staubsauger-Roboters Roomba. Bislang sind die Maschinen aber recht klobig und teuer. Indem er den Beam+ als Verbraucherprodukt für eine hoffentlich größere Nachfrage platziert, will Hassan die Kosten verringern. „Ohne eine größere Produktionsmenge kann man die Bauteile nicht zu guten Preisen bekommen“, sagt der ehemalige Google-Entwickler.

(nbo)