Reaktionen aus der Politik auf die Manipulationen beim ADAC

Der Skandal um gefälschte Zahlen beim ADAC-Autopreis „Gelber Engel“ zieht weitere Kreise. Geschäftsführer Karl Obermair kündigte umfassende Aufklärung an. Unterdessen werden weitergehende Forderungen aus der Politik laut

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Der Skandal um gefälschte Zahlen beim ADAC-Autopreis „Gelber Engel“ zieht nun immer weitere Kreise. Ex-Kommunikationschef Michael Ramstetter schönte nach eigener Aussage nicht nur 2014, sondern auch die Jahre zuvor bei der Umfrage zum Lieblingsauto der Deutschen die Zahlen, wie ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair am Montag in München sagte. Er kündigte umfassende Aufklärung an. Der Automobilclub will zudem seine Strukturen reformieren und für mehr Transparenz sorgen. Dazu wolle man auch externe Prüfer hinzuziehen. Unterdessen werden Forderungen aus der Politik laut:

Gefallener Engel: Was ist eine Trophäe ohne Vertrauen noch wert?

(Bild: ADAC)

Die Bundesregierung rief den ADAC zu einer umfassenden Aufklärung der Manipulationen auf. „Es ist jetzt Aufgabe des ADAC, hier alle Karten auf den Tisch zu legen, möglichst transparent die Vorgänge aufzuarbeiten“, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Bundesverbraucherminister Heiko Maas (SPD) sagt: „Das Vertrauen der Autofahrer hat durch die Manipulationsvorwürfe gelitten, wer mit seinen Bewertungen Einfluss auf das Kaufverhalten ausübt, hat eine besondere Verantwortung für Verbraucherinnen und Verbraucher.“

Die Verbraucherschutzbeauftragte der Unionsfraktion, Mechthild Heil, hat dem ADAC organisatorische Konsequenzen aus den Manipulationen beim Autopreis „Gelber Engel“ nahegelegt. „Wenn der Automobilclub weiterhin als unabhängiger Verein wahrgenommen werden will, muss er sich umstrukturieren, um Konflikte zwischen eigenem Wirtschaftsinteresse und Dienst an der Öffentlichkeit in Zukunft zu vermeiden“. Nunmehr stelle sich die Frage, ob der ADAC nicht auch in anderen Bereichen Statistiken im Eigeninteresse verfälsche. „Als glaubwürdige Testorganisation und Stimme der Autofahrer wird er nun vorerst nicht mehr gelten können.“

Die Testergebnisse des ADAC werden immer häufiger unter dem Gesichtspunkt der Einflussnahme und des Gefälligkeitsjournalimus gesehen, das Vertrauen ist stark beschädigt. Das betrifft nicht mehr nur Fahrzeugtests, beispielsweise zweifeln nach dem „Raststättentest 2013“ nun die Autohöfe an der Neutralität des ADAC, da die Raststätten und der ADAC seit Jahren in weitreichenden geschäftlichen Beziehungen stehen und sich öffentlich regelmäßig und in großer Aufmachung als Premiumpartner präsentieren.

Nicht überrascht zeigt sich der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer - er habe sich in der Vergangenheit schon über andere Ergebnisse gewundert. „Im Zusammenhang mit der Maut habe ich mich immer gefragt, wie man zu solchen Schlussfolgerungen kommen kann“, sagte er. Die CSU habe immer andere Zahlen etwa zu Einnahmen aus der Maut gehabt.

(mit Material der dpa) (fpi)