Börsenzocker: Hoher Testosteron-Spiegel - größeres Risiko
Erhöhte Testosteron-Spiegel verleiten Männer nach wissenschaftlichen Erkenntnissen zu riskanterem Verhalten bei Investitionsspielen. Doch inwieweit gilt dies auch für die von Männern beherrschte Trader-Szene der globalen Finanzmärkte?
- Florian Rötzer
Die Lust, große Risiken im Casino der globalen Finanzmärkte einzugehen, wird nach Ansicht von Wissenschaftlern nicht nur von Gier getrieben, möglichst schnell viel Geld zu verdienen. Im Hintergrund zumindest bei den Männern steht angeblich auch das männliche Sexualhormon Testosteron. Darauf hatte bereits eine vor einigen Monaten veröffentlichte Studie hingewiesen, für die der Testosteron-Spiegel von einigen Finanzhändlern gemessen wurde. Danach war der Testosteron-Spiegel vor allen dann hoch, wenn überdurchschnittliche Gewinne erzielt wurden. Die Wissenschaftler gingen davon aus, dass die vom männlichen Sexualhormon getriebenen Männer auch mehr Risiken eingehen und Verluste vergrößern könnten, wenn die Situation an der Börse nicht gut aussieht.
Anthropologen, Ökonomen und Psychologen unter anderem von der Harvard University haben für eine neue Studie 98 männliche Versuchspersonen zu einem Investitionsspiel aufgefordert, bei dem die Aussicht bestand, tatsächlich Geld gewinnen oder verlieren zu können. Hier zeigte sich, dass die Männer mit höheren Testosteron-Konzentrationen und auch die mit männlicheren Gesichtszügen größere Risiken eingehen oder weniger auf Warnhinweise achten. Die Männer, die einen 30 Prozent höheren Testosteron-Spiegel hatten, investierten im Durchschnitt 10 Prozent mehr Geld als die anderen.
Testosteron wird beim Gewinnen von Stress- und Wettkampfsituationen vermehrt ausgeschüttet, verstärkt nicht nur die Sexuallust, sondern auch die Aggressivität und steigert die Leistungsfähigkeit. Möglicherweise verursacht das berufsmäßig betriebene Spiel an der Börse, dass die Testosteron-Werte dauerhafter ansteigen – zumindest so lange wie Gewinne erzielt werden..
In einem Beitrag für die Zeitschrift Scientific American wird überlegt, ob der Testosteron-Spiegel etwas mit der gegenwärtigen Finanzkrise zu tun haben könnte. Anna Dreber, Mitautorin der Studie, meint, dass möglicherweise langfristig erhöhte Testosteron-Werte zu "irrationalem Risikoverhalten und dann zu geringeren Profiten" führen könnten. Vielleicht seien die plötzlichen Abstürze der Börsenkurse auch bedingt durch vorangegangene Verluste und geringere Testosteron-Werte, was die Scheu vor dem Risiko steigen lassen könnte, spekuliert die Wissenschaftlerin.
Noch ist die Trader-Szene zumindest weitgehend von Testosteron getriebenen Männern beherrscht. Frauen, so Dreber, hätten nicht nur geringere Testosteronwerte, sie neigten angeblich auch dazu, in Finanzspielen weniger risikofreudig zu sein: "Sie handeln weniger, und das scheint eine bessere Strategie zu sein. Wenn mehr "Durchschnittsfrauen" im Aktienmarkt tätig wären, würde dieser vielleicht anders aussehen. (fr)