Siemens auch nach Gewinnschub vorsichtig

Zur Hauptversammlung kann Siemens einen Gewinnschub präsentieren. Der starke Euro aber belastet und frisst Sparerfolge auf. In wichtigen Geschäftsfeldern dürfte es erst zum Jahresende aufwärtsgehen. Einige blamable Problemprojekte sind aber ausgestanden.

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  • dpa

Der Elektrokonzern Siemens stellt sich auch nach einem Gewinnschub zum Start ins neue Geschäftsjahr auf weiteren Gegenwind durch den starken Euro und anhaltende Projektrisiken ein. Das Branchenumfeld habe sich noch nicht zählbar verbessert, sagte Vorstandschef Joe Kaeser vor Beginn der Hauptversammlung in München. Das gelte vor allem für Geschäfte mit kurzen Zyklen wie etwa die Industrieautomatisierung. Erst gegen Jahresende sei mit spürbaren Impulsen zu rechnen. An seiner Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr (30. September) hielt Siemens aber fest.

Im ersten Quartal profitierte Siemens von seinem Sparkurs, aber auch von Immobilienverkäufen und deutlich niedrigeren Belastungen durch Problem-Projekte. Der Gewinn nach Steuern kletterte um 20 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro. Dagegen drückte der starke Euro auf den Umsatz, der um 3 Prozent auf 17,3 Milliarden Euro nachgab. Den Auftragseingang steigerte Siemens um 9 Prozent auf 20,8 Milliarden Euro. Der Konzern hatte in den ersten drei Monaten eine Reihe von Großaufträgen an Land gezogen, unter anderem für die U-Bahn im saudi-arabischen Riad sowie im Windkraft- und Kraftwerksgeschäft.

Unter den einzelnen Sektoren litten vor allem der Industrie- und Medizintechniksektor unter dem starken Euro. Sie mussten Ergebnisrückgänge hinnehmen. Dagegen profitierte Siemens in den Sparten Energie sowie Infrastruktur und Städte vom Wegfall von Projekt-Belastungen.

Insbesondere die verzögerte Netzanbindung von Nordsee-Windparks und die verspätete Auslieferung von ICE-Zügen an die Deutsche Bahn hatte Siemens in den vergangenen Jahren viel Geld gekostet und auch am Image des Vorzeigeunternehmens gekratzt. Im ersten Quartal fielen nun lediglich noch 67 Millionen Euro durch die Anschluss-Probleme der Windparks an, nachdem sich die Belastungen im Vorjahreszeitraum noch auf fast 320 Millionen Euro summiert hatten. Dennoch stellt sich Kaeser noch "auf Jahre hinaus" auf latente materielle Belastungen durch die Windkraft- und Zugprojekte, aber auch durch die Probleme beim finnischen Atomkraftwerk Olkiluoto ein.

Mit Blick auf die ersten drei Monate des Geschäftsjahres sprach der Siemens-Chef von einem soliden Quartal. "Wie erwartet hat uns dabei das wirtschaftliche Umfeld nicht geholfen", sagte Kaeser. Daher müssten das Kostenmanagement und eine Steigerung der Produktivität im Fokus bleiben. Im Gesamtjahr will Siemens weiterhin sein Ergebnis je Aktie von zuletzt 5,08 Euro um mindestens 15 Prozent steigern.

Der Elektrokonzern plant zudem einen Rückzug von der Börse in den USA. Den Schritt begründete Siemens mit einem niedrigen Handelsvolumen von Siemens-Aktien in den Vereinigten Staaten. Auch solle die Finanzberichterstattung dadurch vereinfacht werden. Andere große deutsche Unternehmen wie die Allianz, Daimler oder BASF hatten den US-Börsen in den vergangenen Jahren ebenfalls den Rücken gekehrt. (jk)