Laser-Pionier und Genetiker erhalten Japan-Preis 2014

Yasuharu Suematsu und David Allis wurden in diesem Jahr mit Nippons wichtigster wissenschaftlicher Auszeichnung bedacht.

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  • Martin Kölling

Yasuharu Suematsu und David Allis wurden in diesem Jahr mit Nippons wichtigster wissenschaftlicher Auszeichnung bedacht.

AuĂźerhalb einer kleinen Forschergemeinde dĂĽrften nur wenige Menschen den mittlerweile 81 Jahre alten Yasuharu Suematsu kennen. Dabei ist der japanische Laser-Pionier eine wichtige Person fĂĽr die Entstehung des modernen Internet.

Doch nun dürfte dem Wissenschaftler bald mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht werden. Denn Suematsu ist einer der zwei Gewinner des diesjährigen Japan-Preises, der neben dem Nobelpreis einer der wichtigsten Wissenschaftspreise der Erde ist. Der von dem Forscher entwickelte Urahn eines Halbleiterlaser aus dem Jahr 1962 öffnete den Weg zu einer breitbandigen Langstreckenkommunikation über Glasfaserkabel.

Schon früh sah Suematsu das Potenzial seines Lasers für die Kommunikationstechnik. Aber er machte eine Erfahrung: "Es braucht eine lange Zeit, bis sich eine Technologie in der Gesellschaft verankert hat, manchmal ein halbes Jahrhundert", sagte er bei der Vorstellung der Japan-Preis-Gewinner am Mittwoch in Tokio. Zuerst war die Wellenlänge nicht stabil genug bei der stark modulierenden Leistungsausgabe, die notwendig ist, um Signale zu erzeugen. "Die Menschen glaubten nicht daran, dass man Informationen über Glasfaser übertragen kann."

Doch Suematsu ließ sich nicht abschrecken und entwickelte die Laser während der 70er Jahre weiter. "Ich wusste, dass die Glasfaser schwer zu handhaben war, aber es gab die Möglichkeit, hohe Datenmengen zu übertragen," erinnert er sich. 1981 kombinierte er dann seine Technologien zu einem Lasersystem, das heute die Standardlichtquelle in der Kommunikationstechnik über Glasfaser darstellt.

Ein kleines Teil mit großer gesellschaftlicher Wirkung, genau das ist den Initiatoren des Japan-Preises lieb. Sie suchen jährlich in den Bereichen Physik, Chemie und Ingenieurwesen, Life Sciences, Landwirtschaft und Medizin nach Forschern, deren Ergebnisse das Leben der Menschen stark verändert haben.

Das gilt auch für den zweiten Preisträger dieses Jahres, den Molekularbiologen David Allis. Er ist Joy-and-Jack-Fishman-Professor an der Rockefeller University in den USA. Er wurde dafür ausgezeichnet, die bedeutende Rolle der Veränderung sogenannter Histon-Proteine in Chromosomen erkannt zu haben, die Zellen steuern. Damit verstand die Wissenschaft erstmals, wie sich aus Zellen mit der gleichen Erbinformationen unterschiedliche Zelltypen, aus einem Ei ein ganzer Organismus entwickelt. Gleichzeitig helfen seine Erkenntnisse bei der Entwicklung neuer Krebstherapien.

Wer jemanden kennt, der ähnliche Errungenschaften aufzuweisen hat, kann seinen Kandidaten für den Japan-Preis allerdings nicht direkt vorschlagen. Aber vielleicht kennen Sie ja einen der 13.000 Wissenschaftler weltweit, die die Japan-Preis-Stiftung als Tippgeber in ihrer Adressliste führt...

Im kommenden Jahr 2015 werden Erfindungen in den Feldern Ressourcenverwaltung, Energie, soziale Infrastrukturen sowie Medizinwissenschaft ausgezeichnet. 2016 folgen Materialien und Produktion sowie die biologische Produktion im Bereich Umwelt. 2017 wiederholen sich die Felder aus diesem Jahr. Es lohnt sich: Jeder Japan-Preis-Träger erhält 50 Millionen Yen (350.000 Euro). Dazu gibt es ein unbezahlbares Privileg: Der Preis wird vom japanischen Kaiser persönlich verliehen. Und der ist das Oberhaupt der ältesten noch bestehenden Monarchie der Welt.

Tradition und Moderne reichen sich also die Hand. Dies ist genau, was dem Stifter des Preises, dem Gründer des Elektronikkonzerns Panasonic, Konosuke Matsushita, am Herzen lag. Er baute auch eine kleine Akademie zur Heranbildung der neuen japanischen Elite auf, die fast mönchartig Visionäre für ein neues Nippon ausbilden sollte. "Wirtschaft und Wissenschaft zum Wohle der Verbesserung der Menschheit" war Matsushitas Motto, nach dem er lebte und das mit dem Japan-Preis fortleben soll.

Für mich ist es immer noch einer der interessanteren Preise, der leider in Europa viel zu wenig wahrgenommen wird. Dennis Normile von "Science" und ich sind neben Nachrichtenagenturen seit Jahren die einzigen ausländischen Journalisten, die jedes Jahr die Gelegenheit wahrnehmen, mit Größen der Wissenschaft zu plaudern, von denen die meisten Menschen nie gehört haben, aber von deren Ergebnissen sie profitieren. In diesem Sinne: Bis zum nächsten Japan-Preis. (bsc)