Oberflächliche Korrektur

Die Gesellschaft für technische Überwachung hat zwölf Polituren untersucht, die auch tiefe Krater im Lack ausgleichen können sollen. Nicht alle können überzeugen. Zudem sollte dringend ein weiterer Schritt folgen.

vorlesen Druckansicht 4 Kommentare lesen
Lesezeit: 4 Min.
Inhaltsverzeichnis

München, 29. Januar 2014 – Die Gesellschaft für technische Überwachung (GTÜ) hat 12 Mittel getestet, die allesamt eine Beseitigung von Kratzern im Lack versprechen. Acht der getesteten Polituren richten sich an Laien, vier sollen für erfahrene Anwender sein. Mindestens ebenso wichtig wie das Mittelchen ist die richtige Anwendung.

Die GTÜ hat insgesamt 150 Punkte vergeben. Dabei gingen Preis (20 Punkte), Gebrauch (40) und Wirkung (90) in die Wertung ein. Beim Preis wurde eine Bewertung pro Liter vorgenommen. Dies erklärt die großen Unterschiede bei der Punktevergabe, denn bis auf das Mittel von 3M (51,50 Euro) lagen alle zwischen 5 und 16 Euro – nur eben für höchst unterschiedliche Mengen.

Oberflächliche Korrektur (5 Bilder)

Die getesteten Mittel eignen sich gut, um einzelne Kratzer zu beseitigen. Stumpfe, also fein verkratzte Flächen sollten mit einer normalen Politur behandelt werden.
(Bild: GTÜ)

In die Rubrik "Gebrauch" fielen Lieferumfang, Bedienungsanleitung, Anwendung und der Zeitaufwand, der für eine anleitungsgerechte Kratzerbehandlung benötigt wurde. Leider ließen die Tester offen, wie genau vorgegangen wurde. Da die Mittel, anders als normale Polituren, gezielt zur Beseitigung von einzelnen Kratzern gedacht sind, vermuten wir, dass von Hand gearbeitet wurde. Für diese Mittel in Verbindung mit einer kleinen Fläche, für mehr reicht der Inhalt meist ohnehin nicht, kann das sinnvoll sein. Bei größeren Flächen oder gar einem ganzen Auto empfehlen wir nicht nur eine normale Politur, sondern auch den Einsatz einer Poliermaschine. Sie erleichtert die Arbeit ganz enorm. Wie beides in Kombination optimal verarbeitet wird, zeigt dieses Video sehr anschaulich.

Kaum ein Mittel hatte im Test Mühe, leichte Kratzer zu beseitigen. Deutliche Unterschiede ergaben sich bei tiefen Kratzern. Am besten schnitt das „Kratzer Entferner-Set“ von Sonax ab, das für Anwender mit Erfahrung gedacht ist. Bei den „Laien-Mittelchen“ lag A1 Nano Kratzer Polish vorn. Am Ende lagen gleich sechs Polituren eng an der Spitze beieinander. Sie erreichten zwischen 115 und 125 von 150 möglichen Punkten.

Egal ob man an Ende nur einen einzelnen Lackdefekt beseitigen oder stumpfen, also fein verkratzen Lack aufmöbeln will: Glanz kommt von einer möglichst glatten Lackoberfläche. Polituren tragen dafür eine hauchdünne Schicht von Lack ab und gleichen so kleine Kratzer aus. Bei tiefen Schmarren, die zum Teil durch den Klarlack bis in die Farbschicht reichen, bricht eine gute Politur die harten Kanten des Kratzers – so ist der Übergang zwischen Krater und Lackoberfläche im Idealfall kaum noch zu sehen. Ist die Farbschicht so tief verletzt, dass die Grundierung zu sehen ist, hilft natürlich keine Politur mehr. Farbpolituren, die solche Makel auffüllen sollen, haben keinen dauerhaften Effekt.