Ethikverband: "Krimineller Sumpf" bei der Telekom

Die Bespitzelungsaffäre bei der Deutschen Telekom hat nach Einschätzung des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft das Image des Konzerns erheblich beschädigt.

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Von
  • Jörn Bender
  • dpa

Die Bespitzelungsaffäre bei der Deutschen Telekom hat nach Einschätzung des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft das Image des Konzerns erheblich beschädigt. "Bisher glaubten die Kunden, bei der Telekom sind meine Daten sicher, nun ist die Vertrauenswürdigkeit des Unternehmens nachhaltig erschüttert", sagte der Präsident des Verbandes, Ulf D. Posé, gegenüber dpa. Es habe sich ein "krimineller Sumpf" bei dem Bonner Konzern aufgetan.

Es sei gut und richtig, dass Telekom-Chef René Obermann vehement auf Aufklärung der kriminellen Vorgänge dringe, sagte Posé. Die Telekom hatte eingestanden, dass es in dem Konzern mehr als ein Jahr lang "Fälle von missbräuchlicher Nutzung von Verbindungsdaten" gab. Dabei soll es nach Informationen des "Spiegel" um Kontakte von Managern und Aufsichtsräten zu Journalisten gegangen sein. Obermann versicherte den Telekom-Kunden, ihre Daten seien sicher.

"Dass ein Unternehmen ein legitimes Interesse hat, undichte Stellen zu finden, ist gut nachvollziehbar", sagte Posé. "Skandalös ist, mit welchen Methoden in diesem Fall gearbeitet wurde: Wenn mit so einer Leichtfertigkeit der Datenschutz verletzt wird, ist das nicht mehr nachvollziehbar." Ihm sei kein anderer Fall dieses Ausmaßes in Deutschland oder Europa bekannt. Zwar müsse ein Konzern die Möglichkeit haben, sich vor Missbrauch interner Informationen zu schützen – "aber doch bitte mit legalen Mitteln", betonte Posé. Bei Verdachtsfällen hätten Unternehmen etwa die Möglichkeit, sich an Behörden wie Landeskriminalämter zu wenden, die Telekommunikationsdaten teils auswerteten.

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(Jörn Bender, dpa) / (jk)