Schwedischer Internet-Pranger ist vom Netz

Eine Internetseite mit Informationen über alle Straftäter in Schweden wurde vom Provider vom Netz genommen. Als Grund wurden Sicherheitsprobleme genannt, die aber inzwischen behoben seien. Die Seite dürfe also wieder online gehen.

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Der schwedische Provider Bahnhof AB hat den bei ihm gehosteten Internet-Pranger Lexbase wegen Sicherheitsbedenken vom Netz genommen. Gegenüber der englischsprachigen Nachrichtenseite The Local erklärte ein Bahnhof-Sprecher, über Sicherheitslücken auf der Seite hätten Zahlungsinformationen von Nutzern abgegriffen werden können. Lexbase war erst Anfang der Woche eröffnet worden und hatte massive Kritik auf sich gezogen. Auf der Seite konnte jeder recherchieren, welcher Schwede rechtmäßig verurteilt wurde. Auf einer zugehörigen Karte wurden außerdem angebliche Wohnorte von Straftätern angezeigt.

Bereits am Mittwoch habe die schwedische Tageszeitung Dagens Nyheter berichtet, ihr sei eine Datei mit 100.000 Einträgen aus der Datenbank von Lexbase zugespielt worden. Dem IT-Magazin Computer Sweden sei sogar vorgeführt worden, wie man Einträge aus Lexbase extrahieren könne, ohne dafür zu zahlen. Eigentlich sollte die Seite nur Basisinformationen anzeigen. Wer genaueres über einen aufgeführten Straftäter erfahren wollte, wurde dafür zur Kasse gebeten. Nun gibt es laut Bahnhof AB "starke Hinweise dafür", dass von Hackern auch die Kreditkartendaten zahlender Kunden abgegriffen wurden. Inzwischen seien die Sicherheitsprobleme aber behoben und Lexbase könne wieder online gehen.

Unterdessen hat die Debatte um die Seite in Schweden die höchste Regierungsebene erreicht. Laut The Local hatte der oberste schwedische Datenschützer eine Verfassungsänderung gefordert, um gegen Lexbase vorgehen zu können. Premierminister Fredrik Reinfeldt habe jedoch gemahnt, eine Änderung der Verfassung sei nicht der richtige Weg. Über solch einen Schritt könne man in Zukunft vielleicht nachdenken, aber er sei schwierig, handele es sich doch hier um eine Abwägung der Grundrechte auf Meinungsfreiheit und Datenschutz. (mho)