Europäische Meldeauskunft RISER verzeichnet wachsende Nachfrage

Ein gutes Jahr nach ihrem kommerziellen Start erzielt die Internetplattform, an die inzwischen acht EU-Staaten angeschlossen sind, monatlich 120.000 Anfragen zu Melderegisterdaten und arbeitet nach eigenen Angaben profitabel.

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Ein gutes Jahr nach ihrem kommerziellen Start erzielt die europäische Meldeauskunft RISER (Registry Information Service on European Residents) monatlich 120.000 Anfragen zu Melderegisterdaten und arbeitet nach eigenen Angaben profitabel. Dies erklärte Hendrik Tamm, Leiter Behördendienste bei der Mitte 2007 gegründeten und in Berlin niedergelassenen RISER ID Services GmbH, am heutigen Donnerstag auf der 4. Konferenz zu Diensten im europäischen Meldewesen in der Hauptstadt. Der Umsatz betrage derzeit etwa 500.000 Euro pro Monat, erläuterte Tamm auf Nachfrage von heise online.

RISER begann im Herbst 2004 als von der EU-gefördertes grenzüberschreitendes Projekt mit Partnern wie dem Fraunhofer-Institut FOKUS, dem Landeseinwohneramt Berlin und dem Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD). Während des Pilotbetriebs konnten zunächst Melderegisterauskünfte aus Deutschland und Österreich online abgefragt werden. Inzwischen sind auch die zentralen Melderegister in Ungarn, Estland, Litauen und Schweden sowie die lokalen Datenbanken in der Schweiz und die in Irland allein verfügbaren Wahlregister an das System angeschlossen. Die Firma beschäftigt 15 Mitarbeiter und hat derzeit 150 Kunden in Europa, die Adressdaten abfragen oder einen Alterscheck durchführen können.

Meldedaten gehören laut Tamm zu den wichtigsten Informationen über Bürger. Der Verifizierungsprozess der Meldedaten gehöre zu den grundlegenden Verwaltungsakten. Aber auch die Wirtschaft benötige die Informationen für eine ordentliche Abwicklung vieler Geschäfte. Die Abfrage müsse aber den Datenschutzbestimmungen entsprechen. "RISER arbeitet wie ein Postdienst", erläuterte Kirsten Bock vom ULD das entsprechende Konzept gegenüber heise online. Eine Anfrage werde in ein spezielles Format gebracht und an die zuständige Meldebehörde weitergeleitet, die Antwort dann dem Kunden zum Download über das Portal zur Verfügung gestellt. Bei RISER selbst würden die Informationen nur für Abrechnungszwecke maximal sechs Wochen vorgehalten, jedoch im Unterschied zu vielen kommerziellen Auskunfteien und Adresshändlern nicht in eigene Datenbanken eingebaut.

Bürger können den Dienst bislang nicht in Anspruch nehmen. Kunden aus Wirtschaft oder Verwaltung müssen laut Bock zunächst vertraglich versichern, dass sie die Adressdaten etwa aufgrund eines bestehenden Schuldverhältnisses abfragen dürfen. In angeschlossenen Ländern wie Österreich werde zudem kontrolliert, was die anfragende Partei mit den Informationen mache. Auch die skandinavischen Länder hätten hier teils raffinierte Prüfsysteme aufgebaut. So würden die Melderegister dort mit Privatpersonen kooperieren, die sie über mögliche unerlaubte Anschreiben für Werbezwecke auf Basis der erfolgten Auskünfte informierten. Theoretisch könne RISER auch für die ordnungsgemäße Bestandskontrolle von Adressen durch Datenhändler genutzt werden, räumte Bock ein. Dies dürfte den Brokern aber letztlich zu teuer kommen.

Die europäische Meldeauskunft schlägt derzeit bis zu einem Euro für die eigene Dienstleistung auf die von den Registerämtern veranschlagten Gebühren auf. Letztere weisen in der EU eine weite Spannbreite auf. Tamm zufolge kostet eine Information hierzulande gut 20 Euro, während etwa Unternehmen in Schweden nur 20 Cent dafür ausgeben müssten. Die Trefferrate bei Anfragen liege derzeit in Deutschland, Österreich und Schweden zwischen 70 und 80 Prozent, während die Wählerverzeichnisse Irlands keine vergleichbare Qualität aufweisen würden. Das datenschutzfreundliche Konzept bei RISER sei anfangs oft belächelt worden, erläuterte Tamm abschließend. Im Lichte der jüngsten Fälle illegalen Datenhandels in der Wirtschaft und bei Meldestellen seien viele Firmen angesichts von Angeboten zur Zusammenarbeit mit zweifelhaften Adresshändlern aber um ihren Ruf besorgt und hätten ihre Meinung über den RISER-Ansatz "umgedreht". (Stefan Krempl) / (pmz)