Kurz-Workshop Street Photography: Menschen von hinten aufnehmen
Menschen von hinten fotografieren – das hat nichts mit Straßenfotografie zu tun? Hat es selbstverständlich doch! Dieser Kurz-Workshop gibt Tipps, wie man es richtig macht.
- Maike Fischer
Ganz wunderbare Aufnahmen von Saul Leiter, Fred Herzog, Joel Meyerowitz und vielen anderen Fotografen bezeugen, dass man selbstverständlich Leute von hinten aufnehmen kann und dabei hervorragende Fotos entstehen können. Viele Menschen, denen wir auf der Straße begegnen, sehen wir nur von hinten.
An einem Regentag in Frankfurt ergab erst die Spiegelung der Rückenansicht des Mannes in Verbindung mit den Häusern ein äußerst reizvolles Motiv. Durch die Pfütze als Verweis auf das unwirtliche Wetter erhält das Bild eine zusätzliche Ebene. Dass beide Fotos im Regen entstanden sind, liegt übrigens an meiner ausgeprägten Vorliebe fürs Fotografieren bei Regen und Schnee.
Sie können den Menschen von hinten über die Schulter schauen und sehen, was der andere sieht. Indem Sie zum Verfolger werden, machen Sie den Weg und den Blickwinkel des Fremden zu Ihrem. Was dem Betrachter verborgen bleibt, kann den Reiz eines Bildes ausmachen: Wie mag die Person vor mir aussehen – lächelt sie, ist sie traurig, sind die Augen hell oder dunkel, ist sie älter oder jünger als ich vermute?
Es kann so viel spannender sein, Dinge im Ungewissen zu belassen. Die Unschärfen in den poetischen Fotos Saul Leiters zeigen dies eindrucksvoll und diese Poesie macht den Unterschied zwischen Straßen- und Dokumentarfotografie aus: Ich kann Dinge verhüllen, andeuten, verrätseln. Das reine Porträt auf der Straße verbirgt für meinen Geschmack zu wenig, um Interesse zu wecken. Lassen Sie also Fremde ruhig auch einfach mal fremd und geheimnisvoll bleiben. Ein Frontalporträt mit Blick in die Kamera erklärt Ihnen das Wesen eines fremden Menschen auch nicht genauer.
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