Das ist nicht in Ordnung, Facebook

Das neue Update der Facebook-App auf Android-Geräten will die Erlaubnis, SMS-Nachrichten zu lesen. Das ist doch bloß als Hilfe gedacht, beteuert der Social-Media-Gigant. So ein Unfug. Wann hören Internet-Firmen endlich auf, ihre User für dumm zu verkaufen?

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Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

Das neue Update der Facebook-App auf Android-Geräten will die Erlaubnis, SMS-Nachrichten zu lesen. Das ist doch bloß als Hilfe gedacht, beteuert der Social-Media-Gigant. So ein Unfug. Wann hören Internet-Firmen endlich auf, ihre User für dumm zu verkaufen?

Kein schöner Geburtstag: Facebook will die SMS und MMS seiner Nutzer mitlesen. Installieren diese die neueste Android-Version der Facebook-App, erhalten sie beim Herunterladen eine entsprechende Nachricht. Ist doch alles gar nicht so schlimm, beschwichtigt der Social-Media-Gigant: Wir machen das nur, um zu helfen. Wer Facebook etwa seine Handynummer für die zweistufige Authentifizierung angibt, erhält per SMS einen Bestätigungscode. Damit der Nutzer den später nicht extra aus seinem SMS-Wust rauskramen muss, bietet Facebook an, es an seiner Stelle zu tun.

Das nenne ich für dumm verkaufen. Wer glaubt auch nur eine Minute daran, dass es Facebook und Konsorten um bessere Usability geht? Die Kurznachrichten lassen sich auf Android-Handys prima nach einzelnen Stichwörtern durchsuchen. Mir geht diese vorgeschobene Sorge, dem Nutzer nur helfen zu wollen, schon länger auf die Ketten. Diese von oben herab verordnete Verbesserung von Dingen, die nie unpraktisch waren. Und wenn sie es für einige waren, ist die Änderung nicht optional einstellbar.

Aber Facebook trägt noch dicker auf und schiebt den Schwarzen Peter Android zu: Die lassen uns die App nur so bauen, dass sie nicht nach den SMS eines einzelnen Absenders suchen kann. Da bleibt uns doch nichts anderes übrig, als alle zu durchsuchen. Doch, liebe Facebook-Freunde. Ihr könntet sagen, dann machen wir das nicht. Wenn ich nicht schon zu Symbian-Zeiten aufgehört hätte, die Facebook-App zu nutzen, würde ich es spätestens jetzt tun.

Ja, ich nutze Facebook über den Browser weiterhin, um mit Familie und Freunde Kontakt zu halten – und auch beruflich. Ich mache mir dabei keine Illusionen mehr, dass die sogenannten "privaten Nachrichten" wirklich privat sind. Erst kürzlich zum Jahresanfang wurde Facebook verklagt, weil es Links aus diesen Nachrichten dafür nutzt, um Werbung einzublenden. Da war Google ehrlicher und gab in einem aktuellen Gerichtsprozess – übrigens auch wegen unerlaubten Durchforstens der E-Mails seiner Kunden – unumwunden zu: "Eine Person hat kein legitimes Anrecht auf Privatsphäre für Informationen, die er freiwillig Dritten überlässt."

Die Ehrlichkeit macht es aber auch nicht wirklich besser. Denn das ist nur die unverschämte Flucht nach vorne. Dahinter steckt eine arrogante Haltung, die eben auch Facebook & Co. zeigen: Wenn Ihr uns Eure Daten nicht geben wollt, dann nutzt halt unsere App / Netzwerk etc. nicht. Als wäre es normal und akzeptabel, ein solches Geschäftsgebaren überhaupt an den Tag zu legen. Ich habe Bruce Schneiers Beobachtung ja schon mal zitiert: "Machen Sie nicht den Fehler, anzunehmen, Sie seien der Kunde – Sie sind das Produkt." Wissen Sie was? Ich will endlich wieder Kunde sein und nicht das Produkt. (vsz)