Die Cyborg-Kakerlake
Vom Internet der Dinge zum Internet der Lebewesen: Forscher in Japan haben eine Brennstoffzelle entwickelt, die Insekten zu kleinen Stromkraftwerken mit Sensoren macht.
- Martin Kölling
Vom Internet der Dinge zum Internet der Lebewesen: Forscher in Japan haben eine Brennstoffzelle entwickelt, die Insekten zu kleinen Stromkraftwerken mit Sensoren macht.
Mit Kakerlaken verbinden wir auch hier in Nippon nichts Gutes. Schädlinge sind sie, die zerdrückt, begast oder sonst wie getötet gehören. Um so überraschender fand ich gerade die Nachricht, dass japanische Forscher die Plagegeister nun in den Dienst der Menschheit stellen wollen – als Cyborg-Kakerlake. Labore der Universität Osaka und der Universität für Landwirtschaft und Technik in Tokio haben eine Brennstoffzelle entwickelt, die die Lymphflüssigkeit des Insekts als Stromquelle nutzt. Der Strom kann dann genutzt werden, um Sensoren zu betreiben.
Die Idee wäre ein wichtiger Schritt für die Mutation der Kakerlaken von einer Pest zum Sensornetzwerk. Bereits 2012 präsentierte die North Carolina State University die Idee, Sensoren auf die Krabbeltiere zu kleben, um die Kakerlaken fernzusteuern. Inzwischen gibt es sogar einen Selfmade-Kit zu kaufen. Die japanische Brennstoffzelle würde solche Technik unabhängig von der Lebenszeit der Batterie machen. So lange eine Kakerlake lebt – und das können je nach Art Monate oder Jahre sein – sendet der Sender.
Doch ob es sich in der Praxis rechnet, muss sich erst noch beweisen. Denn der Aufwand ist doch recht enorm wie eine Präsentation der Forscher Ende Januar auf einer Messe in San Francisco zeigte. Die Zelle selbst ist 15 mal 25 Millimeter groß und lässt sich damit quasi als Rucksack auf eine ausgewachsene Kakerlake applizieren.
Und so ungefähr soll es funktionieren: Eine Nadel durchstößt den Insektenpanzer und leitet die Körperflüssigkeit des Tieres in die Brennstoffzelle, wo die Elektroden sitzen. Enzyme zerlegen den Zucker in der Lymphflüssigkeit (Trehalose und Mutarotase) in Glukose. Die Glukose oxidiert an der positiven Elektrode und die negative Elektrode produziert den Sauerstoff. Die Leistung des Prototyps betrug 50,2 Mikrowatt. Ein Schwingquartz einer Quartz-Armbanduhr hat eine Leistungsaufnahme von einem Mikrowatt.
Die Leistung ist zwar klein, aber ich kann schon das Potenzial dieser Idee erkennen. Doch auch wenn sie sich technisch realisieren lässt: Ist sie auch politisch und gesellschaftlich durchsetzbar? Die Tierrechtsorganisation Peta hat schon protestiert, dass die Fernsteuerung der Insekten Folter sei – und gegen den Vorstoß der Rechte der Kakerlaken protestiert. (bsc)