Astronaut Ulrich Walter: Bemannter Flug zum Mars ohne Landung bereits 2018
Den ersten bemannten Raumflug zum Mars mit Landung auf dem Planeten hält Ulrich Walter erst 2046 für möglich. Die einfachere Variante ist ein Flug, bei dem der Mars lediglich umrundet wird.
Ulrich Walter als "Payload Specialist" fĂĽr die NASA-Mission STS-55 SL-D2 (Spacelab 2) mit dem Space-Shuttle Columbia
(Bild:Â NASA)
Der ehemalige Astronaut Ulrich Walter glaubt, dass erstmals im Jahre 2046 Menschen auf dem Mars landen und wieder zurück fliegen werden. Es müsse eine besondere Konstellation zwischen Erde und Mars herrschen, die Rückflüge zeitlich besonders günstig macht, sagte der Münchner Professor für Raumfahrttechnik gegenüber dpa. Sie trete nur alle 15 Jahre ein. "2031 wäre ein gutes Fenster für einen Hinflug, aber bis dahin werden die Amerikaner und Russen mit den Vorbereitungen noch nicht so weit sein." Die nächste gute Chance sei dann erst 2046.
Die einfachere Variante, nämlich Flug zum Mars, Umrundung und dann Rückflug zur Erde, solle schon am 8. Januar 2018 starten und nur 500 Tage dauern. "Der einzige Knackpunkt ist der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Dass das klappt schätze ich auf 80 Prozent ein. Also, da würde ich mitfliegen", sagte Walter, der als Astronaut 1993 an Bord des Space-Shuttle Columbia im All war.
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Die private Initiative "Mars One" will 2024 zum Mars fliegen und dort landen. Doch das dürfte ein regelrechtes Himmelfahrtskommando werden. "Das Konzept basiert darauf, dass Teilnehmer nicht zur Erde zurückkehren. Gründe für das hohe Risiko sind die großen technischen Schwierigkeiten für eine bemannte Landung. Außerdem wurde noch nie gezeigt, dass wir technisch in der Lage sind, längere Zeit autark in einer so lebensfeindlichen Umgebung zu überleben", sagte Walter. Trotzdem hätten sich 200.000 Bewerber für das Projekt gemeldet.
(Bild: NASA/JPL-Caltech/Cornell Univ./Arizona State Univ.)
"Wissenschaftler aus Leidenschaft"
Walter, der seit 2003 am Lehrstuhl der Technischen Universität in München lehrt, wird am Sonntag 60 Jahre alt. Das Aussehen von potenziellen Außerirdischen, die Entstehung des Universums, Satellitensysteme und das Glück auf Erden – die Themen gehen ihm nie aus. "Ich bin Wissenschaftler aus Leidenschaft", sagt der Physiker. Er ist einer von zehn Deutschen, die bisher ins All geflogen sind. In seinem Blog bei N24 befasste er sich etwa damit, ob die Zukunft vorhersagbar ist oder wie intelligente Wesen von anderen Planeten aussehen müssten.
Über sein Spezialgebiet Festkörperphysik veröffentlichte Walter zahlreiche Beiträge. Bei Gastaufenthalten am Forschungszentrum Jülich (Nordrhein-Westfalen) und am Hochflussreaktor ILL Grenoble in Frankreich untersuchte er mit Neutronen unter anderem Seltene Erden, die in elektronischen Geräten verbaut werden.
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1985 verschlug es Walter in die USA, wo er am Argonne National Laboratory und an der Berkeley Universität arbeitete, teils finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. 1988 bewarb sich der Vater zweier Töchter mit rund 1800 anderen als Astronaut - und wurde ausgewählt.
Fünf Jahre später brach Walter an Bord der Raumfähre Columbia in Richtung Erdumlaufbahn auf. Die Schwerelosigkeit zog ihn in den Bann – und das Panorama: "Der Blick auf die Erde ist grandios."
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