Großaktionär kritisiert Handy-Zulieferer Balda [Update]
Balda will seine Anteile am Touchscreen-Hersteller TPK, der angeblich auch Apple beliefert, verkaufen - Audley Capital befürchtet dadurch einen schwerwiegenden Vermögensschaden für den Handy-Zulieferer.
Der Großaktionär Audley Capital hat den angeschlagenen Handyzulieferer Balda wegen des geplanten Verkaufs von TPK-Anteilen kritisiert. Nach Angaben des Handelsblatts wirft Audley Capital dem Balda-Vorstand in einem Brief vor, dem Unternehmen einen schwerwiegenden Vermögensschaden zuzufügen, sollte sich Balda wie geplant von einem 12-Prozent-Anteil an der chinesischen Tochtergesellschaft TPK trennen, die auf Touchscreens spezialisiert ist. Audley Capital drohe in dem Brief, der dem Handelsblatt vorliege, mit einer Schadenersatzklage.
Die Balda AG mit Sitz in Bad Oeynhausen bei Minden hatte angekündigt, zwölf Prozent ihrer TPK-Anteile an den Mitgesellschafter Michael Chiang zu verkaufen. Der Balda-Anteil an TPK würde laut einem dpa-Bericht damit auf 38 Prozent sinken, im Zuge einer Kapitalerhöhung, an der sich Balda wegen der "angespannten Finanzlage" nicht beteilige, auf dann 33,5 Prozent. Nach Audley-Informationen wolle Balda seine TPK-Mehrheit an Michael Chiang für 1,7 Millionen Euro verkaufen, der bisher bereits 50 Prozent an TPK hielt, berichtete die Zeitung. Dies sei nur ein winziger Bruchteil dessen, was der Anteil wert sei. Balda habe sich dazu nicht äußern wollen.
Balda hatte im August rote Zahlen in den Bilanzen bekannt gegeben, setzte aber nach eigenen Angaben weiter auf Wachstum im zweiten Halbjahr. Der Handy-Zulieferer bekräftigte die Prognose eines Vorsteuergewinns von 24 Millionen Euro und eines Umsatzes von 414 Millionen Euro, warnte jedoch vor "Unwägbarkeiten". Ein wichtiger Kunde habe kürzlich eine Gewinnwarnung ausgegeben, und der Start einiger Produkte von Kunden im Bereich "Touch" könne sich verschieben – dem Vernehmen nach liefert die chinesische Balda-Tochter TPK, von der man sich nun trennen will, die Touchscreens für Apples iPhone; beide Unternehmen bewahren aber Stillschweigen über ihre Geschäftsbeziehungen. Balda hat im Mai im zweiten Anlauf seine Handyschalensparte verkauft; eine Einigung mit den Banken über die weitere Finanzierung musste ebenfalls im Mai verschoben werden, sie sollte nun eigentlich bis November unter Dach und Fach gebracht werden.
[Update]:
Balda hat mittlerweile die Warnungen seines Großaktionärs vor wachsenden Insolvenzrisiken zurückgewiesen. Es bestehe derzeit für Balda kein Insolvenzrisiko, teilte die Balda AG mit. Der Verkauf sei in der gegenwärtigen Lage des Finanzmarktes die beste Lösung für die Gesellschaft und alle Aktionäre, betonte Balda. Die Transaktion sei zwischen Vorstand, Aufsichtsrat, Rechtsberatern und Banken eng abgestimmt.
(jk)