Einmal großer Bruder
Bisher bot das Monitoring-Tool Zabbix schon einen für große Umgebungen geeigneten Funktionsumfang. Mit der aktuellen Version 2.2 kann das Open-Source-Werkzeug auch mit VMwares vCenter- und vSphere-Plattformen umgehen.
- Thomas Drilling
Neben Nagios und dessen zahlreichen Forks ist Zabbix eine der bei Administratoren beliebtesten Monitoring-Anwendungen. Das Open-Source-Paket eignet sich mit der Unterstützung parametrierbarer Host-Templates und der unter anderem hieraus resultierenden Skalierbarkeit für den Enterprise-Einsatz. Dazu trägt auch bei, dass sich eine Zabbix-Umgebung mit Proxies und Nodes auf mehrere Standorte verteilen lässt.
Zabbix-Proxies regeln das Überwachen stellvertretend für den zentralen Server. Dies ermöglicht das Monitoring eines Netzes von verschiedenen Orten aus, etwa um festzustellen, ob eine Website aus unterschiedlichen Netzen erreichbar ist. Zabbix-Nodes wiederum sind Subsysteme, die den primären Zabbix-Server entlasten und sich automatisch mit diesem synchronisieren.
Mit oder ohne Agenten
Funktional spielt Zabbix in einer Liga mit dem Nagios-Ökosystem oder kommerziellen Netzwerk-Monitoring-Systemen (NMS) und greift beim Beschaffen von Informationen auf das gesamte Instrumentarium zurück, etwa IPMI (Intelligent Platform Management Interface), SNMP oder JMX (Java Management Extensions) für die agentenlose Überwachung. Über JMX lassen sich beispielsweise Java-Applikationen im Blick behalten, was dank des integrierten Java-Gateways keine zusätzliche Software erfordert.
Eine besondere Stärke von Zabbix liegt in der flexiblen Konfigurierbarkeit der zu überwachenden Hosts im Web-Interface. Dabei lassen sich die für eine Messung (Item) eingesetzten Methoden für jeden zu beobachtenden Host nach Belieben kombinieren, etwa SNMP für betriebssystemspezifische Charakteristika, IPMI-Sensoren für Hardwaredaten, sogenannte Simple-Checks für einfache Verfügbarkeitsmessungen und die spezifischen agentenbasierten Verfahren.
Arbeitsweise von Zabbix
Wie bereits der iX-Artikel „Richtig etikettieren“ ausführlich erklärt, ähnelt Zabbix’ Arbeitsweise der anderer NMS [1]. Das Überwachen von Hardwaredaten, Betriebssystem-Parametern, Netzfunktionen oder Anwendungen und Datenbanken basiert auf Items (Messungen), Triggern (Auslösern) und Actions, die sich für jeden Host individuell definieren lassen. Im Gegensatz zu Nagios dient das Web-Interface nicht nur zum Visualisieren der Ergebnisse, auch das Einrichten von Hosts, Items, Triggern und Aktionen erfolgt über den Browser. Seit Zabbix 2.0 kann der Administrator hierfür auf parametrierbare Templates zugreifen, sodass die Software auch in großen Umgebungen skaliert.
Ebenfalls seit der Version 2.0 lassen sich Vorlagen im gewissen Umfang individuell an einzelne Hosts anpassen. Zabbix bietet als Enterprise-NMS auch auf Low-Level-Discovery basierende Automatisierungsfunktionen. Das erlaubt, automatisch Konfigurationseinträge, Trigger und Graphen für die von Zabbix selbstständig identifizierten Geräte zu erstellen.
Neuerungen in Zabbix 2.2
Zabbix 2.2 ist im Großen und Ganzen performanter als die Vorgängerversion. Dies liegt unter anderem daran, dass die Entwickler einen Werte-Cache implementiert haben, mit dem das Verarbeiten der Trigger schneller erfolgt. Ein verbesserter Prozess zum Senden von Daten sowie jeweils überarbeitete Caches für History und Konfigurationen tragen ebenso zur Performance-Steigerung bei wie eine Reihe kleiner Update-Operationen, die immer dann anlaufen, wenn Zabbix neue Daten integriert. Außerdem arbeitet der Zabbix-Server zeitgesteuerte Funktionen jetzt parallel ab.
Neuerungen gibt es auch im Bereich der Anwendungsüberwachung. Über eine neu hinzugekommene Vererbungslogik lassen sich mehrere Templates mit der gleichen Anwendung verbinden. Eine der zentralen Neuheiten ist die Virtualisierungs-Unterstützung. Zwar ließen sich auch bisher schon auf virtuellen Maschinen die passenden Agenten installieren und virtuelle Hosts auf Basis einer jeweils individuellen Behandlung in die Überwachung aufnehmen. Doch mit Zabbix 2.2 können System-Architekten VMwares vCenter- und vSphere-Plattformen gezielt beobachten. Das Tool identifiziert dazu die unter VMware betriebenen virtuellen Maschinen automatisch und überwacht auf Basis einer Reihe eingebauter Checks beispielsweise Auslastung, Speicherverbrauch oder die Uptime/Verfügbarkeit von VMs und Hypervisoren. Damit bietet sich Zabbix 2.2 als begleitendes Tools von Migrationsprojekten an.
Weitere Verbesserungen finden sich beim Web-Monitoring. Zabbix unterstützt jetzt reguläre Ausdrücke und erlaubt dem Administrator, zum Abfragen der Verfügbarkeit eines Dienstes die Anzahl der Wiederholungen individuell festzulegen. Darüber hinaus kennt das NMS auch beim Web-Monitoring vorlagenbasierte Szenarien. Außerdem bietet Version 2.2 jetzt ladbare Module zum Erweitern des Zabbix-Servers oder der -Agenten. Technisch gesehen sind Zabbix-Module nichts anderes als gewöhnliche Shared Libraries (*.so), die der Server beziehungsweise der Agent beim Systemstart lädt und die ganz verschiedene Funktionen zur Verfügung stellen können. Das steigert einerseits die Performance, bietet aber vor allem Third-Party-Entwicklern die Möglichkeit, Module zu jedem nur erdenklichen Zweck zu schreiben. Schließlich haben die Entwickler die API überarbeitet und weiter an der Benutzerfreundlichkeit des Frontends gefeilt. Ergänzende Details zur Version 2.2 finden sich online in den Release Notes, in der Zabbix-Dokumentation sowie in einer PDF-Präsentation.
Entstehung, Download und Support
Zabbix lässt sich wahlweise im Quellcode oder in Form von Binär-Paketen für RHEL 5/6 beziehungsweise CentOS, Debian 7 und Ubuntu 12.04 LTS herunterladen, ist aber auch in den Repositories vieler Distributionen zu finden – wenn auch oft in einer älteren Version. Ergänzend stellt der Hersteller Zabbix SIA die Software als virtuelle openSUSE-Appliance für VMware/VirtualBox (.vmdk), KVM (qcow2), Microsoft (VHD) oder im Open Virtualization Format (.ovf) bereit. Optional gibt es eine Live-CD/DVD, ein USB-Stick-Image sowie eine Xen-Gast-Variante.
Agenten sind als Binär-Paket für alle wichtigen – teils älteren – Betriebssysteme herunterladbar, darunter Linux (2.4/2.6), AIX (5.3, 6.1), FreeBSD (4.2 bis 7.1), HP UX, NetBSD 5, OpenBSD (3.9 bis 4,7), Solaris (9 bis 11) und alle Windows-Versionen. Zabbix ist zwar Open-Source-Software und unter der GPL lizenziert, aber kein Community-Projekt: Bis heute steuert Zabbix-„Erfinder“ Alexei Vladishev maßgeblich die 2011 gestartete Entwicklung. Er ist Eigentümer und Produktmanager der von ihm gegründeten, im lettischen Riga ansässigen Firma Zabbix SIA, die kommerzielle Dienstleistungen wie Support und Trainings rund um Zabbix anbietet.
Literatur
[1] Michael Schwartzkopff; Netzwerkmanagement; Richtig etikettieren; Professionelle Netzwerküberwachung mit Zabbix; iX 10/2012, S. 154
Alle Links: www.ix.de/ix1403062 (avr)