Makrofotografie - Fotografische Techniken
Ein gelungenes Bild entsteht vornehmlich im Kopf, dennoch ist ein Minimum an Technik für ein perfektes Bild nötig. Um auch aus gefallene Bildideen in die Tat umzusetzen, benötigt man grundlegendes Wissen über Belichtungs- und Scharfeinstellungstechniken, aber auch über eine saubere Lichtführung.
- Björn K. Langlotz
Der Abbildungsmaßstab
Vielen Makroaufnahmen sieht man es nicht auf den ersten Blick an, wie groß das dargestellte Motiv in der Realität ist. Bei bekannten Schmetterlingen wie einem Zitronenfalter oder einem Pfauenauge sind die Größenverhältnisse noch eindeutig. Eine weiße Baumnymphe misst aber oft mehr als zehn Zentimeter. Ohne Größenbezug etwa mit einer bekannten Blüte erschließt sich die Größe nicht von selbst. Noch schwieriger wird es bei eher abstrakt anmutenden Motiven wie Kristallen oder technischen Details einer Maschine.
Abgemessen: Durch das Abfotografieren eines parallel ausgerichteten Lineals lässt sich der Abbildungsmaßstab einfach berechnen. Hier ist die Gegenstandsbreite 2,5 cm und die Bildbreite 3,6 cm. Daraus er - gibt sich ein Abbildungsmaßstab von 1,44:1.
(Bild: Björn K. Langlotz)
Will man dem Betrachter einen Eindruck von den Abmessungen vermitteln, bietet es sich an, bekannte Objekte mit ins Bild zu nehmen. Statt die reale Größe eines Motivs aufzuführen, gibt man in der Fotografie den Abbildungsmaßstab an. Das ist das Verhältnis der Bildgröße auf dem Kamerasensor – nicht der Bildgröße eines Abzugs – zur Motivgröße. Er gibt die Vergrößerung beziehungsweise Verkleinerung des Bildes an. Fotografiert man eine vier Zentimeter große Blüte und bildet die Blüte fast auf gesamter Höhe des Bildes mit einer digitalen Spiegelreflexkamera mit Vollformatsensor ab, so ist das Bild auf dem Sensor etwa zwei Zentimeter groß. Das Verhältnis aus Bild- und Motivgröße, der Abbildungsmaßstab, ist dann 2:4 = 1:2. Die Blüte wurde also halb so groß auf dem Chip abgebildet, wie sie in der Natur groß ist – eine typische Nahaufnahme. Man sagt auch, die Vergrößerung ist 0,5-fach. Der Abbildungsmaßstab kann jedoch auch eine Vergrößerung angeben: Wird ein fünf Millimeter großer Marienkäfer auf einem Vollformat-Chip abgebildet, so ist der Abbildungsmaßstab der Aufnahme 20:5 = 4:1. Der Marienkäfer wurde mit 4-facher Vergrößerung fotografiert – eine Makroaufnahme.
Aber nicht nur der Betrachter interessiert sich für den Abbildungsmaßstab, sondern auch der Fotograf kann ihn nutzen – und zwar bereits während der Aufnahme. So gibt der Abbildungsmaßstab Aufschluss über die bei der Aufnahme zu erwartende Schärfentiefe und die Veränderung der Belichtung im Makrobereich. Beim Fotografieren lässt sich der Abbildungsmaßstab ermitteln, indem man vom Stativ aus Probeaufnahmen von einem Lineal mit feiner Einteilung macht. Dazu sollte das Lineal so positioniert sein, dass es horizontal im Sucher auf dem Display erscheint. Teilt man nun die Breite des Sensors (Bildgröße) durch die Millimeter auf dem Lineal (Motivgröße), erhält man den Abbildungsmaßstab bei gegebener Entfernungseinstellung. Zur Beurteilung nutzt man das Ergebnis nach einer Auslösung auf dem Display, denn dieses zeigt im Unterschied zum Sucher die gesamte Aufnahme.
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