Wenn Statistik Spaß macht

Wie lange überlebt Schokolade in freier Wildbahn? Die wissenschaftlich korrekte Antwort auf solche Fragen zu finden, könnte ein unpopuläres Fach aufpeppen.

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Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

Wie lange überlebt Schokolade in freier Wildbahn? Die wissenschaftlich korrekte Antwort auf solche Fragen zu finden, könnte ein unpopuläres Fach aufpeppen.

Was tun Forscher in ihrer Freizeit, wenn sie sich eigentlich nicht mit Hypothesenaufstellen, Statistik und Fachartikel-Schreiben beschäftigen müssten? Manchmal genau dasselbe wie bei der Arbeit. Nur mit dem Unterschied, dass sie sich ein lustiges Forschungsthema suchen. Ein schönes Beispiel dafür ist die Publikation „The survival time of chocolates on hospital wards: covert observational study“ (auf Deutsch: Die Überlebenszeit von Schokolade in Krankenhaus-Abteilungen: eine verdeckte Studie). Erschienen ist sie vor Weihnachten im „British Medical Journal“.

Die Autoren schlichen sich in verschiedene Krankenhaus-Kaffeeküchen ein und deponierten je eine Box „Quality Street“- und „Roses“-Schokolade. Dann beobachteten sie, wie lange die einzelnen Pralinen in freier Wildbahn überlebten und auch, welche natürlichen Feinde, pardon, Berufsgruppen schneller zugriffen. Ihr Ergebnis: Nur 74 Prozent der Schokolade wurde verputzt und im Schnitt überlebten die Pralinen 51 Minuten. Darüber hinaus sind Schwestern schneller als Ärzte. So weit, so überschaubar.

Das Paper hat Betriebsamkeit bei den Wissenschaftlern in meinem Bekanntenkreis ausgelöst. Ersten Selbstversuchen zufolge, die das Ergebnis zu reproduzieren versuchen, kann man die publizierten Daten nicht einfach so stehen lassen. Bei der Überlebensrate von Quality-Street-Pralinen wurden Abweichungen von bis zu 40 Prozent beobachtet. Neue Selbstversuche mit größeren Stichproben sind bereits in Planung, um den Diskrepanzen auf den Grund zu gehen. Bemängelt wurde auch, dass nur zwei Schokoladenmarken untersucht wurden – das sei hart an der Grenze zum anekdotischen Beweis.

Ich mag die Idee von versteckter Spaßforschung. Ich wünschte, meine Uni hätte das für den Statistik-Kurs im ersten Semester des Bio-Studiums implementiert. Dann hätten wir uns bestimmt viel enthusiastischer mit Medianen, Kaplan-Meyer-Analysen und Cox-Regressionen beschäftigt. So blieb der Spaßfaktor begrenzt und erstreckte sich lediglich auf diese Ansage: Der einzige erlaubte Spickzettel bei der Klausur ist der Zehn-Mark-Schein – wegen der Gaußkurve auf der Rückseite – und er darf gerne zurückgelassen werden. (vsz)