Kanadische Datenschutzaktivisten beschweren sich über Facebook
Kanadische Jurastudenten haben das Online-Sozialnetz begutachtet und dabei diverse Verstöße gegen Datenschutzgesetze festgestellt.
Die Datenschutzaktivisten der Canadian Internet Policy and Public Interest Clinic (CIPPIC) haben sich beim obersten kanadischen Datenschützer über das Online-Sozialnetz Facebook beschwert. Dieser soll laut Mitteilung (PDF-Datei) unter anderem dem Vorwurf nachgehen, dass Facebook von Nutzern keine Erlaubnis zur Weitergabe ihrer Daten an Dritte für Werbe- und andere profitorientierte Zwecke einholt. Die 35 Seiten umfassende Beschwerdeschrift (PDF-Datei) enthält insgesamt 22 verschiedene Vorwürfe.
Drei Jurastudenten haben im Rahmen einer Lehrveranstaltung der Universität von Ottawa, dem die CIPPIC angeschlossen ist, die Grundsätze und Praktiken in dem Online-Sozialnetz unter die Lupe genommen, heißt es in der Mitteilung. Dabei seien einige Verstöße gegen Datenschutzbestimmungen im kanadischen Personal Information Protection and Electronic Documents Act (PIPEDA) zutage getreten. Nun verlangen die Datenschutzaktivisten beispielsweise, Facebook möge alle Daten von deaktivierten Accounts löschen. Es sollte nach Meinung des CIPPIC gestattet sein, Facebook auch zu nutzen, ohne nicht unbedingt notwendige Daten anzugeben.
Die Reihe der Beschwerden fängt schon bei der Registrierung an. Das CIPPIC stört sich daran, dass neue Nutzer im ersten Schritt bereits neben ihrem Namen und der E-Mail-Adresse ihr Geburtsdatum angeben müssen. Facebook erkläre nicht ausreichend, wofür das Datum benötigt wird. Auch verstoße es gegen Datenschutzgesetze, dass neue Nutzer ohne Angabe ihres Geburtsdatums in der Registrierungsprozedur nicht weiterkommen. Als bedenklich sehen die Datenschützer auch eine Importfunktion für E-Mail-Kontakte an, bei der die Nutzer das Password für ihren E-Mail-Account bei AOL, Hotmail oder anderen Anbietern angeben.
Je mehr sich soziales Netzwerken verbreite, desto mehr Gefahren für die vertrauliche Daten würden sich ergeben, erläutert CIPPIC-Direktorin Philippa Lawson. Facebook sei mit seinen gut sieben Millionen kanadischen Mitgliedern dort das beliebteste Online-Netz, daher sei es für die Untersuchung ausgewählt worden. Facebook werbe damit, dass die Nutzer eine möglichst große Kontrolle über ihre Daten hätten, doch das entspreche nicht der Wirklichkeit, meint Lawson. Selbst wenn ein Nutzer für sich die rigidesten Datenschutzeinstellungen gewählt hat, würden diese umgangen, wenn Facebook-Freunde eine weniger strenge Einstellung gewählt haben. (anw)