China reanimiert HD-DVD-Ableger zu Olympischen Spielen
Im Westen ist die HD DVD tot, in China soll sie als China Blue High Definition (CBHD) zu den Olympischen Spielen auferstehen und den dortigen HD-Filmen als Datenträger dienen.
Während sich die westliche Unterhaltungsindustrie im Kampf zwischen Blu-ray Disc und HD DVD für erstere entschieden hat, setzt China für seinen nationalen Markt auf ein eigenes Datenträgerformat für hochaufgelöste Filme. Obwohl man mit der EVD bereits seit Jahren ein Medium hat, das auf Basis der roten Laser-Technologie HD-Filme auf einer Silberscheibe speichert, will man nun zu den Olympischen Spielen der Welt zeigen, dass man auch die blaue Laser-Technik beherrscht. Pünktlich zum Start der Wettkämpfe soll am 8. August die China Blue High Definition (CBHD), vormals bekannt als CH-DVD, auf den Markt kommen.
Die CBHD hat physisch den gleichen Aufbau wie die HD DVD, wird ebenfalls mit einem Laser mit der Wellenlänge von 405 nm abgetastet und bietet auf zwei Lagen 30 GByte Speicherkapazität. Ein Unterschied besteht in der Modulation der Daten-Bits. Während bei der HD DVD aus acht User-Daten-Bits zwölf Channel-Daten-Bits generiert wurden (um die minimale und maximale Signallänge zu beschränken), werden bei der CBHD aus jeweils vier Daten-Bits sechs Channel-Bits. Außerdem verwendet die CBHD einen eigenen Codec für die Video- und Audio-Komprimierung (Advanced Audio Video Encoding Standard in Information Technology, AVS). Die Patente der CBHD werden von der chinesischen high-definition discs Union Industry Association verwaltet, die derzeit noch in Verhandlungen mit westlichen Industriefirmen über die Nutzung der übrigen HD-DVD-Patente steht.
Die CBHD wurde gemeinsam von der China High Definition DVD Industry Association (CHDA) und dem Optical Memory National Engineering Research Center (OMNERC) an der Tsinghua Universität in Zusammenarbeit mit dem DVD Forum entwickelt. Ein Sprecher des OMNERC erklärte in einem Interview mit dem chinesischen Branchenblatt ChinaByte, mit dem eigenen Patent-Pool für die CBHD könne man zwar nicht alle Aspekte der Disc abdecken, aber man sei in einer guten Verhandlungsposition und könne einem drohenden Blu-ray-Monopol entgegentreten. Denn die Blu-ray Disc Association hat das Reich der Mitte noch lange nicht aufgegeben und würde nur allzu gerne den Milliardenmarkt bedienen. Streitpunkt sind unter anderem noch der Kopierschutz AACS. Nach dem schnellen Ableben der EVD wird man sehen, ob die CBHD tatsächlich eine Chance auf dem chinesischen Markt hat oder nur als Ass im Verhandlungspoker um zukünftige Lizenzzahlungen dient. (hag)