Hoffnungsschimmer eBike

Der Yamaha-Konzern hat seine neue Kollektion von Elektrofahrrädern vorgestellt. Inzwischen trauen sich die Japaner mit ihren kleinen Antrieben auf den europäischen Markt.

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  • Martin Kölling

Der Yamaha-Konzern hat seine neue Kollektion von Elektrofahrrädern vorgestellt. Inzwischen trauen sich die Japaner mit ihren kleinen Antrieben auf den europäischen Markt.

Als japanischer Steuerzahler hat mich in den vergangenen Jahren eine Tendenz von Nippons Technikunternehmen verzweifeln lassen: Selbst wenn sie technisch tolles Spielzeug haben, bringen sie es im Gegensatz zu Samsung einfach nicht fertig, es global zu vergolden.

Ein gutes Beispiel ist der Markt für Elektrofahrräder. Als die Trethilfen in Europa noch ein Nischenprodukt waren, kämpften Industrieriesen wie Yamaha Motors, Panasonic und Bridgestone hierzulande schon in einem Massenmarkt um Marktanteile. Doch vor dem Export ihrer Expertise nach Europa scheuten sie bis vor kurzem zurück. Nun aber greifen sie aggressiv an.

Das beste Beispiel für den Wandel ist das Unternehmen Yamaha, das am Mittwoch rund 100 Journalisten zu einer Testfahrt der Frühjahrskollektion eingeladen hatte. 2014 will sich das Unternehmen mit 144.000 verkauften eBikes daheim einen Marktanteil von 31 Prozent erkämpfen. Doch gab sich das Management bis vor kurzem mit diesem Status zufrieden, verfolgt es nun ambitioniertere Ziele.

Dazu holten die Japaner vor zwei Jahren ihren Statthalter in Deutschland, Minoru Morimoto, heim und betrauten ihn mit der Aufgabe, Yamaha nicht nur in Nippon, sondern auch im Rest der Welt an die Spitze zu führen. Und der einstige Wahl-Düsseldorfer, der fließend Deutsch spricht, tritt kräftig in die Pedale. Mehr als 55 Prozent Marktanteil peilt er daheim an. Außerdem begann das Unternehmen, Antriebsmodule in alle Welt zu exportieren.

Das ist ein größerer Schritt als es sich anhört. Das Unternehmen kann nicht automatisch bei Exporten vom Massenabsatz daheim profitieren. Denn die unterschiedlichen Gewohnheiten und gesetzlichen Regeln verlangten neuentwickelte Motoren. Die haben die Japaner inzwischen, und sie gehören zu den leichtesten in der Welt, sagen sie.

Ob das stimmt, sei einmal dahin gestellt. Immerhin sind sie offenbar gut genug, dass Morimoto bereits vier GroĂźabnehmer gefunden hat, darunter Winora aus Deutschland und den taiwanesischen Hersteller Giant. Mehr sollen kommen, verspricht Morimoto. FĂĽr 2014 rechnet er damit, konzernweit den Verkauf von Antriebsmodulen um 21 Prozent auf 281.000 StĂĽck nach oben zu treiben. Und der Zuwachs kommt vor allem aus Ăśbersee.

Vom Export kompletter Räder lässt Yamaha hingegen vorerst die Finger. Die Produkte und Gewohnheiten seien schlicht zu unterschiedlich, erklärt eine Yamaha-Sprecherin. In Europa sind Tourenräder en vogue. Die Menschen wollen schweißfrei lange Strecken radeln. Doch in Japan kaufen vor allem Mütter und Hausfrauen die Räder auf der Kurzstrecke zum Transport von Kindern und Einkäufen. Es sind daher kleine Lastesel gefragt anstelle schnittiger Renner. Und die Sattelhöhen und Rahmengrößen sind nicht wie in Deutschland so hoch und groß bemessen, dass die radelnde Person das Bein wirklich durchtritt. Stattdessen kann man an der Ampel auf dem Sattel sitzend bequem den ganzen Fuß auf den Asphalt stellen.

Zu den technischen Höhepunkten der Saison zählen auch ein zusätzlicher Sensor, der die Umdrehung der Pedale misst. Kombiniert mit den Daten der bisher schon verwendeten Geschwindigkeits- und Drehmomentsensoren soll der Antrieb sanfter und angenehmer reagieren. Die Gangschaltung des Cityrads wird zudem von drei auf fünf Gänge aufgebohrt. Auch Japaner wollen die Kraft der Stromer dynamischer ausnutzen.

Das Angebot ist japantypisch breit gefächert. 21 Modelle und Versionen führt der Katalog auf. Und außer einem Tourenrad sind die meisten auf Frauen gemünzt. Mein Favorit ist das "Babby" mit seinen 20-Zoll-Rädern, das genug Platz für einen Erwachsenen, zwei Kinder und den Einkauf bietet. Interessant ist auch ein Dreirad, an das zudem zum Lastentransport ein kleiner Anhänger angekoppelt werden kann.

Wer etwas sportlicher und mit weniger Gewicht unterwegs sein will, muss allerdings zum Konkurrenten Panasonic wechseln. Selbst Yamahas Sportler wiegt noch 24 Kilogramm – ohne Gepäckträger. Gemein ist allerdings allen japanischen eBikes, dass die Motoren aus gesetzlichen Gründen nur 250 W haben und sich - wie in Deutschland - bei 25 km/h die Trethilfen gänzlich einstellen. Ich warte daher weiter mit dem eRad-Kauf. Denn noch schaffe ich dieses Tempo auch ohne Motor. (bsc)