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Seit Jahrzehnten sind die Hinterlassenschaften der Apollo-Missionen unberührt. Nun drängen private Missionen zum Mond. Experten wollen das lunare Museum schützen.

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Von
  • Christoph Seidler

Seit Jahrzehnten sind die Hinterlassenschaften der Apollo-Missionen unberührt. Nun drängen private Missionen zum Mond. Experten wollen das lunare Museum schützen.

Jahrelang hatten ein paar der hellsten Köpfe Amerikas an ihnen getüftelt – trotzdem kamen die klobigen weißen Treter nur kurz zum Einsatz. Und nach zweieinhalb Stunden waren die Stiefel, Modell A7L, auch schon reif für den Müll. Denn als Neil Armstrong und Buzz Aldrin am 21. Juli 1969 nach dem ersten Mondspaziergang der Geschichte die Triebwerke ihrer Landefähre Eagle zündeten, ließen sie nicht nur Fußabdrücke zurück, sondern auch ihr Schuhwerk. Und mit ihm rund 100 weitere Objekte, die seither von dem Tag künden, an dem die Menschheit erstmals einen fremden Himmelskörper betrat. Die historischen Hinterlassenschaften sind bis heute auf dem Erdtrabanten liegen geblieben. Einzige Veränderung in dem Stillleben: Die stolz aufgestellte US-Flagge ist mittlerweile umgefallen.

Doch jetzt ist das wundersame Museum, das seither nie wieder Besucher hatte, womöglich bedroht: Knapp 45 Jahre nach der ersten Mondlandung haben sich China und Indien den Mond als neue Herausforderung auserkoren. Zudem wollen private Teams anlässlich des Google Lunar XPrize (siehe TR 12/2013, S. 24) im kommenden Jahr unbemannte Mondmissionen starten. Deren Geräte könnten Schaden an den Apollo-Gerätschaften anrichten – und sei es nur, indem sie Staub aufwirbeln. Schon allein das könnte etwa die Laserreflektoren beschädigen, die bis heute zur präzisen Entfernungsmessung zwischen der Erde und ihrem himmlischen Begleiter dienen.

Seit Beginn des Raumfahrtzeitalters hat die Menschheit rund 190 Tonnen Material auf dem Mond abgeladen: Mehr als 70 weich gelandete oder abgestĂĽrzte Sonden, dazu die Apollo-Technik inklusive dreier Mondautos, MĂĽlltĂĽten und anderem mehr. Neben den USA und der Sowjetunion haben auch Indien, Europa, Japan und China zu der himmlischen MĂĽllhalde beigetragen. Wie mit den menschlichen Hinterlassenschaften auf dem Mond umzugehen ist, spielte jahrzehntelang bestenfalls in akademischen Fachkreisen eine Rolle. Vielleicht, weil es Ansichtssache ist, ob man den Mond als Museum oder MĂĽllhalde betrachtet. Und weil das Thema lange sehr weit weg war.

Nun allerdings rückt es wieder näher heran. Derzeit kurvt der chinesische Rover Yutu („Jadehase“) über den Mond und sucht nach Bodenschätzen. Er ist möglicherweise nur die Vorhut eines ganzen Besucherstroms. So plant Hotel-Tycoon Robert Bigelow Touristenunterkünfte, Shackleton Energy Company oder Moon Express wollen Bodenschätze abbauen.

Unter Experten hat deswegen eine einigermaßen skurrile Debatte begonnen, die doch ganz ernsthaft geführt wird. Es geht um nichts weniger als lunaren Denkmalschutz: „Wenn wir unterstellen, dass diese Orte einen Wert für die Menschheit haben, dann macht es Sinn, sich Gedanken über ihren Schutz zu machen– und sei es nur vor zufälliger Zerstörung“, wirbt Henry Hertzfeld vom Space Policy Institute an der George Washington University in Washington. Die Nasa wurde tätig und veröffentlichte schon im Juli 2011 Empfehlungen zum Schutz der Mondlandestellen. Das knapp 100-seitige Dokument sieht unter anderem Sperrzonen vor: Besonders schützenswert sind demnach die Orte der ersten sowie der vorerst letzten Mondlandung. Um die Landestelle von Apollo 11 sollen Rover einen Bogen von mindestens 75 Me-tern machen, um die von Apollo 17 sogar 225 Meter. Die von Apollo 12 sowie 14 bis 16 dürfen hingegen aus der Nähe inspiziert werden.

(jlu)