Preselection für Mobilfunkgespräche vorgeschlagen
Carrier Selection für die Terminierung im Mobilfunk als Alternative zur Preisregulierung soll das Monopol für die Terminierung von Mobilfunkgesprächen bei den einzelnen Anbietern beseitigen und den Preiswettbewerb im Mobilfunk fördern.
Carrier Selection für die Terminierung im Mobilfunk als Alternative zur Preisregulierung schlägt der Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Jörn Kruse zusammen mit einigen Kollegen vor. Bei einer Tagung zu Treibern und Barrieren im Telekommunikationsmarkt der Alcatel Lucent Stiftung und der Zentralbibliothek Wirtschaftswissenschaften (ZBW) diese Woche erläuterte Kruse die Idee: Ein Angerufener könnte nicht nur über das Netz seines eigenen Anbieters, sondern eben als Endpunkt in einem beliebigen Mobilfunknetz erreichbar sein – ähnlich wie bei der Betreiberauswahl beim Auslands-Roaming, in dem der Handy-Nutzer selbst festlegen kann, in welchem Mobilfunknetz er nicht nur selbst anrufen, sondern auch erreichbar sein will. Das Monopol für die Terminierung würde wegfallen, Kunden könnten vom Preiswettbewerb profitieren.
Aktuell erlaubt der GSM-Standard eine solche allgemeine Wahlmöglichkeit beim Anruf im Mobilfunknetz nicht. Allerdings ist das, wie Kruse unterstrich, "kein technisches Problem", sondern vielmehr Ergebnis der Standardisierung von GSM. Im Wesentlichen sei das bestehende Terminierungsmonopol beim staatlich regulierten GSM das Ergebnis früherer Regulierungsentscheidungen. Sobald die Möglichkeit der Betreiberauswahl für die Terminierung in den GSM-Standard aufgenommen sei, könnten die Anbieter durch ein Software-Update die im Markt befindlichen Endgeräte nachrüsten. Im Prinzip müssten wohl nur jetzt existierende Sperren herausgenommen werden. Die Endgeräte ermöglichen eine Netzwahl heute ja bereits beim internationalen Roaming.
Kruse wies dabei auch darauf hin, dass es nicht zwingend notwendig sei, dies auf europäischer Ebene zu regeln. "Man kann das auch national machen," sagte er. Dass die Idee technisch realisierbar sei, hätten ihm auch Experten aus den Mobilfunkunternehmen bestätigt, allerdings sei die Idee noch nicht auf rechte Begeisterung gestoßen. Dabei hält Kruse die mit der Umstellung verbundenen Kosten für überschaubar. Komplizierter wird in diesem System die Abrechnung. Das Volumen an Daten über aktive Geräte, deren Standort und die Abrechnungsinformationen, das Betreiber zu verarbeiten hätten, wäre größer, meint der Wissenschaftler.
Kritik, dass eine "Preselection" für die Mobilfunkkunden angesichts unübersichtlicher Tarifstrukturen zu kompliziert wäre, konterte Kruse mit dem Hinweis, dass im neuen System der eigene Betreiber die Wahl übernehmen könnte. Selbst wenn er ein Interesse daran haben würde, Anrufe komplett über sein eigenes Netz zu routen, könnten Kunden sich letztlich nach dem günstigsten Angebot umsehen. (Monika Ermert) / (jk)