Britisches Unterhaus billigt Erzeugung von Mensch-Tier-Embryonen

In dritter Lesung wurde das Gesetz, das die Stammzellenforschung liberalisiert, mit groĂźer Mehrheit angenommen.

vorlesen Druckansicht 69 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Florian Rötzer

Auch nach dritter Lesung hat das britische Unterhaus dem Human Fertilisation and Embryology Bill mit großer Mehrheit zugestimmt. Nun muss das Gesetz nur noch das Oberhaus passieren, um in Kraft treten zu können. Dann wird Großbritannien eines der wenigen Länder sein, in denen zur Forschung hybride Mensch-Tier-Embryonen erzeugt werden können.

Gefordert hatten diese Möglichkeit Wissenschaftler, um den Mangel an embryonalen menschlichen Stammzellen beheben zu können. Zudem trifft die Verwendung von Mensch-Tier-Embryonen auf weniger moralischen Widerstand wie die Gewinnung von Stammzellen aus menschlichen Embryonen, die dafür zerstört werden müssen. Nach dem Gesetz dürfen Embryos aus entkernten tierischen Eizellen und Zellkernen von menschlichen Zellen zu Forschungszwecken erzeugt werden. Sie dürfen nicht länger als 14 Tage entwickelt werden, um aus ihnen Stammzellen zu gewinnen. Zudem können echte Chimären hergestellt werden, in denen eine tierische embryonale Zelle einem menschlichen Embryo hinzugefügt wird. Es können transgene menschliche Embryos erzeugt werden, die ein tierisches Gen oder mehrere besitzen. Und es dürfen hybride Embryos durch Befruchtung einer tierischen Eizelle mit einem menschlichen Spermium oder umgekehrt geschaffen werden. Verboten ist, Mensch-Tier-Embryos in den Uterus von Frauen oder von Tieren einzupflanzen. Kritiker wandten dagegen ein, dass das Gesetz der Entstehung von "Humanzees", also Mensch-Schimpansen-Mischwesen, den Weg bahnen würde.

Zwei britischen Forschergruppen wurde schon im Mai die Erlaubnis gegeben, hybride Embryos herzustellen. Im Juni berichtete das North East England Stem Cell Institute (NESCI) der Newcastle University, dass bereits einige hundert hybride Embryos, bei denen ein menschlicher Zellkern in eine entkernte Eizelle von KĂĽhen eingefĂĽgt wurde, hergestellt werden konnten.

Obgleich mittlerweile andere Methoden entwickelt wurden, um Stammzellen zu entwickeln, betonte die britische Regierung erneut, dass nur durch bessere Forschungsmöglichkeiten an embryonalen Stammzellen therapeutische Anwendungen entwickelt werden könnten. Diese würden Millionen von Menschen helfen und Großbritannien zu einem führenden Land der Stammzellenmedizin werden lassen. Andere umstrittene Passagen des Gesetzes ermöglichen nun auch Lesben künstliche Befruchtung oder gestatteten es Eltern, Embryos auszuwählen, denen für Geschwister, die an einer genetischen Krankheit leiden, zur Therapie Gewebe (Knochenmark, Blutstammzellen aus der Nabelschnur etc.) entnommen werden kann. (fr)