Arbeitgeberpräsident: Bleiberecht für ausländische IT-Spezialisten

Dieter Hundt will ausländische Spezialisten einen langfristigen Aufenthalt ermöglichen und fordert die Ausdehnung der IT-Green-Card auf andere Branchen.

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Von
  • Jürgen Kuri

Überraschend fordert nun auch der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Dieter Hundt, in der Diskussion um die Green Card, ausländischen EDV-Experten einen langfristigen Aufenthalt zu ermöglichen. "Ich meine, wir müssen ihnen auch Perspektiven aufzeigen, wie sie bleiben können", erklärte Hundt gegenüber dpa und fügte hinzu: "Wir können diesen Menschen aus gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Gründen nicht einfach den Stuhl vor die Tür setzen." Eine langfristige Green-Card-Regelung würde den Anreiz für Spezialisten erhöhen, nach Deutschland zu kommen. Auch Bundesinnenminister Otto Schily hatte bereits gefordert, Fachkräften nach Ablauf der bislang vorgesehenen befristeten Aufenthaltsgenehmigung ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht zu ermöglichen.

Offensichtlich befürchten Wirtschaft und einzelne Politiker angesichts der Kommentare von Arbeitsmarkt- und Migrationsexperten, eine zeitlich befristete Green Card könnte für Experten aus dem Ausland nicht attraktiv sein. Hundt erklärte, Einzelheiten eines längeren Bleiberechts müssten sorgfältig geprüft und überlegt sein. Und er forderte eine Erweiterung der Green Card für die IT-Branche auf andere Industriebereiche: "Eine Ausweitung steht für mich auf der Tagesordnung." Hundt nannte vor allem den Maschinenbau sowie die chemische und die Autoindustrie als Bereiche, die dafür in Frage kämen.

Das deutsche Ausbildungssystem hält der Präsident der Arbeitgeber offensichtlich momentan nicht für geeignet, die von der Industrie beklagte Fachkräftemisere zu beheben. Als symptomatisch für die Situation beschrieb er gegenüber dpa den Informatik-Studiengang in Berlin: 300 der Studienanfänger hätten am Ende dieses Wintersemesters das Studium schon wieder abgebrochen. Angesichts überbelegter Hörsäle und fehlender Professoren sei es auch kein Wunder, dass die besten deutschen Studenten in die USA gingen. Hundt forderte daher eine deutliche Erhöhung der staatlichen Mittel für Schulen und Hochschulen an. Außerdem brachte er Studiengebühren ins Spiel, die seiner Ansicht nach die Studienbedingungen verbessern könnten. (jk)