Bokeh – von der Schönheit der Unschärfe
So mancher glaubt, unter Weinkenner geraten zu sein, wenn man Fotoexperten beim Schwärmen über das besondere "Bouquet" eines Objektivs zuhört. Bouquet? – Nein, sie sprechen von Bokeh, dem allzu oft vernachlässigten unscharfen Bereich eines Bildes! Nach Tipps und Know-how zum Bokeh folgt eine Testserie mit Manuell- und Autofokus-Objektiven.
- Thomas Saur
Das Wort Bokeh stammt ursprünglich aus dem Japanischen und bedeutet „unscharf, verschwommen". Grundsätzlich steht der Begriff Bokeh für die ästhetische Qualität der unscharfen Bereiche eines Bildes.
Das Thema Bokeh findet in den meisten Objektivtestberichten der Fotozeitschriften, die sich eher auf Schärfe und Kontrast der Optiken konzentrieren, allenfalls beiläufig Erwähnung. Umso mehr wird es in den Onlineforen und Fotoblogs intensiv und kontrovers diskutiert. Das verwundert nicht, denn Bokeh ist nicht messbar, kann aber einen entscheidenden Einfluss auf die Qualität eines Bildes haben.
Aufnahme mit Zeiss Makro ZE 50mm bei Blende f/2.0. Bei den Zeiss-Makroobjektiven fällt die hohe Klarheit und Brillanz der Bildwirkung auf, diese Objektive sind in der Regel auf guten Mikrokontrast korrigiert, die starke Korrektur kann vereinzelt zu einem etwas unruhigen Bokeh mit auffallend dominanten kreisrunden Unschärfekreisen führen. Auch diese dreidimensional wirkende Anmutung hat einen ganz besonderen Reiz. Es ist kein Zufall, dass dieser Look an eine gewisse Kinoästhetik erinnert: Zeiss ist der Hauptlieferant professioneller Kino-Optiken.
(Bild: Thomas Saur)
Gelungene Aufnahmen verdanken ihre emotionale Wirkung nicht selten deren unscharfen Bereichen. Mit Unschärfe lässt sich Wesentliches hervorheben und von Unwesentlichem trennen. Das Bild gewinnt durch die Übergänge in die Unschärfe an Räumlichkeit und Tiefe. Die zerfließenden Formen der Unschärfe können dem Bild eine nahezu musikalische Qualität verleihen. Ein lebendiges Bokeh versetzt die unscharfen Bereiche in Schwingung, das Bild erhält einen Rhythmus, es scheint zu atmen.
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