Blair und Clinton fordern freien Zugang zu den Daten des menschlichen Genoms
In ihrer gemeinsamen Erklärung bekräftigen sie aber auch die Notwendigkeit von Patenten.
Nach dem [www.heise.de/tp/deutsch/special/leb/6654/1.html Scheitern der Verhandlungen] zwischen dem öffentlich finanzierten internationalen Human Genome Project und Celera, einem Unternehmen, das mit neuesten Sequenzierungsmaschinen und einem anderen Verfahren angekündigt hat, noch in diesem Jahr das menschliche Genom vollständig zu sequenzieren, sind der britische Premierminister Tony Blair und der amerikanische Präsident Bill Clinton offenbar unter Druck geraten. Seit [www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/5303/1.html letztem Jahr] fanden nämlich bereits Gespräche zwischen beiden Regierungen statt, um zu verhindern, dass die sequenzierten Rohdaten des menschlichen Genoms patentiert und damit der Öffentlichkeit entzogen werden könnten.
Die jetzt zustande gekommene gemeinsame Erklärung hat allerdings eher symbolische Bedeutung, in der Realität sind zumindest vorläufig keine Änderungen der Praxis zu erwarten. "Um das ganze Versprechen dieser Forschung zu realisieren", so heißt, "sollten die fundamentalen Rohdaten des menschlichen Genoms, wozu die DNA-Sequenzen und ihre Varianten gehören, allen Wissenschaftlern auf der ganzen Welt frei zur Verfügung stehen." Nur ein "ungehinderter Zugang" könne zu den Entdeckungen führen, die allen Menschen zugute kommen und die "Lebensqualität der Menschheit" erhöhen. Recht unvermittelt kommt dann aber der Satz: "Der Schutz des geistigen Eigentums für genbasierte Erfindungen wird auch eine wichtige Rolle spielen, um die Entwicklung von wichtigen neuen medizinischen Produkten zu motivieren."
Wie nun der Konflikt zwischen einem ungehinderten öffentlichen Zugang und der Patentierung gelöst werden könnte, verraten die Regierungschefs allerdings nicht. Celera, Hauptkonkurrent des HGP, hat sich denn auch beeilt, mit der Erklärung von Clinton und Blair voll und ganz übereinzustimmen: "Celera begrüßt die Erklärung. Die Mission des Unternehmens stimmt völlig mit den Zielen überein, sicher zu stellen, dass die Wissenschaftler der ganzen Welt einen Zugang zu diesen wichtigen Informationen haben, um Fortschritte und Entdeckungen für die Verbesserung der menschlichen Gesundheit zu ermöglichen." Offenbar können mit einer solchen Erklärung, die die Frage nicht behandelt, ob menschliche Gene das Eigentum der Menschheit sind oder prinzipiell überhaupt patentierbar sein sollen, also ob sie einer "Entdeckung" oder einer "Erfindung" entsprechen, alle zufrieden sein.
Mehr in Telepolis: Die gemeinsame Erklärung von Blair und Clinton ist symbolische Politik at its best or worst. (fr)