Living Games Festival in Bochum gestartet
Veranstalterangaben zufolge handelt es sich um das erste Kultur- und Kreativfestival in Europa, das sich ausschließlich mit Video- und Computerspielen beschäftigt.
Die Jahrhunderthalle in Bochum hat am heutigen Freitag die Besuchertore für die erste Ausgabe des Living Games Festivals geöffnet. Laut Veranstalterangaben handelt es sich um das erste Kultur- und Kreativfestival in Europa, das sich ausschließlich mit Video- und Computerspielen beschäftigt. An zwei Tagen können die Besucher auf drei Bühnen über 30 verschiedene Vorträge und Diskussionen verfolgen, aktuelle Konsolen und Games testen oder in kleinen Workshops Einblicke in die Produktion von Computerspielen erhalten.
Der Organisator, die Aruba Events GmbH, hat sich für sein Festival die Berliner Filmfestspiele zum Vorbild genommen und will sowohl die kreativen als auch die kulturellen Aspekte der Spieleszene einer breiten Öffentlichkeit vermitteln und für ein besseres Image der Gamesbranche als Teil der Kulturindustrie kämpfen. "Die Idee ist schon vor zwei Jahren aus unserer bisherigen Arbeit entstanden und wurde durch die Äußerungen des deutschen Kulturrates im Frühjahr noch einmal bestärkt," erklärt der Mit-Gesellschafter von Aruba Events, Andreas Steinicke. "Auf der EU-Ebene sind Computerspiele schon viel stärker als Kulturgut akzeptiert als in Deutschland."
Die Aruba Events GmbH ist aus den Aruba Studios hervorgegangen, die sich neben der Spieleentwicklung unter anderem für RTL (Weisse Bescheid – das Horst Schlemmer Quiz) hauptsächlich einen Namen mit der Organisation von Fachveranstaltungen erarbeitet hat. Seit 2003 führte man sechs Ausgaben der Entwicklerkonferenz Quo Vadis durch, zunächst im Ruhrgebiet, inzwischen in Berlin. Jedes Jahr im Dezember organisiert Aruba in Essen den "Deutschen Entwicklerpreis" als nationale Auszeichnung für gelungene neue Computerspiele. Nach diesen Veranstaltungen für ein Fachpublikum wendet man sich nun zum ersten Mal, dank kräftiger Unterstützung durch die Staatskanzlei NRW, an ein breites Publikum.
Natürlich ist das unvermeidliche Thema Computerspiele und Gewalt gleich in mehreren Vorträgen und Diskussionsrunden präsent. So stellt Wolfgang Walk den bisherigen Verlauf der Gewaltdiskussion dar, und Jörg Müller-Lietzkow, Professor für Medienorganisation an der Uni Paderborn, referiert zu den gesellschaftlichen Risiken von Computerspielen aus Sicht seiner Forschungsergebnisse. Daneben werden aber auch Themen wie Berufsfelder in der Spieleentwicklung, die Demo-Szene oder neue mobile Formen des Spielens vorgestellt. Aber auch Macher wie der deutsche Programmierer und Komponist Kai Rosenkranz erhalten in dem mächtigen Industriedenkmal in Bochum eine Bühne. Rosenkranz wird von der Arbeit an Musik und Soundtrack zu Gothic 3 berichten. Darüber hinaus kann auch der normale Spielenutzer an speziellen Kreativtischen einige grundlegende Arbeitstechniken bei der Spieleentwicklung unter Anleitung austesten. Nach 22:00 Uhr klingt der jeweilige Tag in einer Lounge mit Technomusik und Cocktails aus.
Ob sich die neue Veranstaltung auf Anhieb als zentrale "Plattform, auf der die längst fälligen Diskussionen um das Medium Games geführt werden", etabliert, dürfte schwierig werden. Die Berlinale hat ihre umfangreiche Medienresonanz schließlich über fast sechzig Jahre hin aufgebaut. Aber die Macher sind in Verhandlung mit den Organisatoren des Kulturhauptstadtjahres 2010 in Essen und können dem bisher recht konservativen Programm vielleicht einige progressive und neuzeitliche Impulse geben.
Aus Gründen des Jugendschutzes wird der Eintritt zur Jahrhunderthalle erst ab Vollendung des 16. Lebensjahres gewährt, noch jüngere Spielefans erhalten nur Zutritt in Begleitung der Eltern oder eines Erziehungsberechtigten. (Georg Immich) / (pmz)