Deutschland schafft bei Breitband den Anschluss an Europa
Laut der Studie "Monitoring Informations- und Kommunikationswirtschaft 2008" hält der Aufschwung der Branche an, wobei sich etwa der Breitbandmarkt gut entwickelt. Vor allem beim mobilen Internet herrscht aber Nachholbedarf.
Laut der Studie "Monitoring Informations- und Kommunikationswirtschaft 2008" hält der Aufschwung der Branche weiter an. "Der Standort entwickelt sich sehr positiv", fasste Sabine Graumann von TNS Infratest die Ergebnisse der Untersuchung am heutigen Freitag in Berlin zusammen. Das Marktforschungsinstitut führt die Langzeitanalyse seit 2000 für das Bundeswirtschaftsministerium durch. Insgesamt habe sich Deutschland im vergangenen Jahr bei 20 Kernindikatoren im Vergleich zu 2006 verbessert, zehn Mal belege die Bundesrepublik Platz Eins, achtmal den zweiten und nur einmal den vierten Rang.
Deutschland liege bei der Leistungsfähigkeit der Informationswirtschaft unter den fünf bevölkerungsstärksten Ländern Europas insgesamt an zweiter Stelle, freute sich Jochen Homann, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Der Abstand zum Spitzenreiter Großbritannien habe sich deutlich verringert. So entwickle sich etwa der Breitbandmarkt gut. Das Monitoring, dessen Ergebnisse die Bundesregierung für den dritten nationalen IT-Gipfel Ende November in Darmstadt nutzen wolle, zeige aber auch noch Handlungsbedarf etwa beim mobilen Internet auf. Dessen Potenzial "nutzen wir bei weitem noch nicht ausreichend aus".
Konkret liegt Deutschland bei den sieben Kernindikatoren für den Gesamtmarkt in vier Bereichen über dem europäischen Durchschnittswert von jeweils 100 Punkten. Als besondere Stärke stellte Graumann den E-Commerce-Umsatz pro Einwohner vor, wo die Bundesrepublik mit 128 Punkten noch vor Großbritannien auf Platz Eins liege. Über dem Durchschnitt liege Deutschland auch bei günstigen Breitband-Preisen, den Pro-Kopf-Ausgaben für Informations- und Kommunikationstechnik sowie dem Niveau der Computerkenntnisse. Bei den beiden letzten Punkten hätten die vergleichbaren EU-Länder hier aber ein noch stärkeres Wachstum aufzuweisen. Unterdurchschnittlich sei der E-Commerce-Anteil am Gesamtumsatz der Unternehmen und die Ausgaben für Telekommunikation als Anteil am Bruttoinlandsprodukt.
Geht es um IT-Anwendungen im Bereich der öffentlichen Verwaltung, Unternehmen und Privatpersonen, kann Deutschland bei acht von neun Indikatoren eine überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit aufweisen. Nur bei der Nutzung von E-Government-Diensten durch Unternehmen sieht die Lage mit 85 Indexpunkten schlecht aus. Bei Privatpersonen kommen E-Commerce und Dienste des digitalen Rathauses dagegen deutlich besser an, auch die Verfügbarkeit entsprechender Angebote liegt über dem Mittelwert. Die Führung bei Ein- und Verkäufen übers Netz könnte aber ins Wanken geraten, das dieser Bereich im Vergleich zu Europa Graumann zufolge eine "leicht rückläufige Tendenz" aufweist.
Im Teilbereich Infrastruktur liegt Deutschland mittlerweile bei sieben von zehn Indikatoren über dem Durchschnitt. Mit 160 Punkten nimmt die Bundesrepublik etwa die Führung bei Telefonanschlüssen ein. Bei schnellen Internetanschlüssen habe Deutschland zudem den Anschluss an den EU-Durchschnitt geschafft, führte Malthe Wolf von TNS Infratest aus. Es sei von 84 Punkten auf 103 gestiegen. 23 Prozent der Bevölkerung in Westeuropa hätten Breitband. Der entsprechende Anteil hierzulande betrage nun immerhin 24,3 Prozent, der Großteil davon entfalle auf DSL-Anschlüsse. Bei der Verbreitung des breitbandigen TV-Kabels liege Deutschland trotz einer Verbesserung von 19 auf 40 Punkten aber noch weit zurück.
Als Hauptgrund für den allgemeinen Trend zu schnellen Internetverbindungen bezeichnete Wolf den hohen Wettbewerbsdruck. So liege der Durchschnittspreis für einen Breitbandanschluss hierzulande bei 28 Euro, während die vergleichbaren Kosten im EU-Mittel 35 Euro betragen würden. Führend insgesamt sei im Breitbandsektor aber Dänemark mit 156 Punkten. Deutlich vorne liege Deutschland dagegen bei der Verbreitung von Computern in 69 Prozent der Haushalte, gleichauf mit Großbritannien bei der Internetnutzung mit 116 Punkten. Dies entspreche 72 Prozent der Bevölkerung, wobei vor allem ein Zugewinn bei Senioren zu verzeichnen sei.
Besorgt stimmte die Forscher im Infrastrukturbereich, dass bei Vorkehrungen für IT-Sicherheit ein leichter Rückgang im Index festzustellen gewesen sei und Deutschland hier genau im Mittel liege. Bei der Mobilfunknutzung allgemein führt Italien mit 123 Punkten, während Deutschland mit 107 Punkten den dritten Rang halte. Anders als im Vereinigten Königsreich oder in Japan werde das Mobiltelefon hierzulande aber nach wie vor hauptsächlich zum Telefonieren und nicht etwa für das Herunterladen von Musik genutzt. Nur zwanzig Prozent der Besitzer eines Handy oder anderen mobilen Endgeräts würden dieses für Internetanwendungen in Anspruch nehmen, was einem Indikatorwert von 20 Punkten entspreche. Dies habe wohl etwas mit den vergleichsweise hohen Kosten sowie den teils mangelhaften Infrastrukturen außerhalb von Ballungsgebieten zu tun. (Stefan Krempl) / (vbr)