Internet wurde für Software-Piraten zur Falle

Der Kripo Neuss ist ein Raubkopierer-Quartett ins Netz gegangen, das übers Web 400.000 CDs in Umlauf gebracht haben soll.

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Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) hat heute in einer Pressekonferenz Details zum gestern gemeldeten Schlag gegen die professionelle Raubkopierer-Szene bekannt gegeben. Demnach ist Fahndern der Kripo Neuss bereits im November vergangenen Jahres eine vierköpfige deutsch-dänische Tätergruppe, die sich auf den Vertrieb von Raubkopien spezialisiert hatte, ins Netz gegangen. Nach Angaben von GVU-Geschäftsführer Joachim Tielke griffen die Ermittler zu, als die vier Männer in Krefeld gerade eine Lieferung von 54 000 illegalen CDs aus tschechischer Produktion in Empfang nahmen. Zwei der Täter seien allerdings mittlerweile wegen minder schweren Tatverdachts wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Nach Angaben der GVU hatte die beschlagnahmte Software einen Marktwert von über 1,5 Milliarden Mark. Da rund 400 000 CDs vertrieben worden seinen, belaufe sich der geschätzte Gesamtschaden auf mehrere Milliarden Mark. Tielke betonte, dass die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien. Im Einverständnis mit der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft und der Polizei entschloss man sich dennoch, die Öffentlichkeit über den Fall zu informieren. Ermittler der GVU waren während ihrer "routinemäßigen Überwachung des Internet" auf Angebote von 70 Mark teuren Compilation-CDs gestoßen, die unter der Bezeichnung "Akira" gehandelt wurden. Testkäufe bestätigten den Verdacht, dass diese - sechs CDs umfassende - Sammlung ausschliesslich raubkopierte Software enthielt.

Nach den Worten von Tielke verfügen die Täter über ein "hohes Computer-Know-how". Sie sperrten die CDs mit Passwörtern, die für ihre Kunden nur kurzzeitig im Internet verfügbar gewesen seien. Auf den CDs befand sich hochwertige Business-Software wie Windows 98, Corel Draw 9 oder die Lotus Smart Suite. Auch aktuelle Spiele-Titel wie Age of Empires II oder Tiberian Sun haben die Software-Piraten gehackt und auf den Akira-CDs verbreitet.

Tielke warnte bisher unentdeckte Raubkopierer, sich nicht zu sicher zu fühlen: "Das Internet ist bei Anwendung der richtigen Instrumentarien längst so durchschaubar, dass wir den internationale agierenden kriminellen Computerbanden immer auf der Spur sein und auch zugreifen können, wenn die entsprechenden Beweismittel ausreichen". (hob)