Google Maps trotzen
Google Maps ist ein unverzichtbarer Wegbegleiter und -weiser geworden. Aber in Japan gibt es noch Apps, die Google Paroli bieten und dafĂĽr sogar GebĂĽhren kassieren wie ein Blick in mein Handy zeigt.
- Martin Kölling
Google Maps ist ein unverzichtbarer Wegbegleiter und -weiser geworden. Aber in Japan gibt es noch Apps, die Google Paroli bieten und dafĂĽr sogar GebĂĽhren kassieren, wie ein Blick in mein Handy zeigt.
Google mag eine Datenkrake sein. Aber ein Produkt wie Google Maps ist vielerorts, aber besonders in Japan einfach zu gut, um nicht benutzt zu werden. Es zeigt mir nicht nur die Laufwege unter der Erde und die Ausgänge der U-Bahnstationen punktgenau an. Die Fussgängernavigation findet sogar in meiner Nachbarschaft Trampelpfade, die ich nicht als gangbar erkannt hätte. Beim Autofahren schlägt der Bedienkomfort inzwischen sogar Japans Navigationssysteme, die in den vergangenen 20 Jahren Weltspitze waren. Auch Zugverbindungen findet Google Maps. Dennoch gibt es in Japan Rivalen, die bis heute ihren Platz verteidigen, obwohl sie Geld kosten.
Ich leiste mir zum Beispiel auf dem Smartphone die App Navitime für monatlich ungefähr 2,50 Euro. Der Grund ist weniger die normale Navigation. An Google Maps Simplexity, einer Kombination aus simpler Bedienung und komplexen Funktionen, kommt das Navigationssystem nicht heran. Dafür ist es nicht nur bei den Zügen genauer und bietet Zusatzfunktionen, die manchmal einfach nur Spaß machen, aber oft richtig nützlich sind. Es ist zudem, was meint zu sein: "Total Navi", Navigation total.
Beispiel Züge: Hier kann ich die gewünschte Ab- oder Anfahrtszeit minutenweise angeben, und mir werden vier Alternativen zur Wahl geboten mit Preisen, Fahrtzeit und einer Angabe wie oft man umsteigen muss. Mit weiteren Klicks kann ich genaue Pläne der Bahnhöfe aufrufen, Fahrpläne, Zugverbindungen, Fahrpreise für Streckenabos und die gegenwärtige Belegung der Züge.
Außerdem gibt es einen Wetterbericht für den Abfahrts- und Ankunftsort, der mir sogar die Regenstärke für die kommenden Stunden vorhersagt. Super für die Reiseplanung. Zusätzlich erfahre ich, wieviel Kohlendioxidemissionen ich mit meiner Reise verursache - und dies nicht nur für Bahn und Bus, sondern auch für die anderen angebotenen Verkehrsmittel.
Beispiel Fahrrad: Für die Routen werden nicht nur Beschreibungen angezeigt wie "kürzester Weg" oder "möglichst wenige Steigungen" (oder für besseres Training mit möglichst vielen Hügeln), sondern auch der geschätzte Kalorienverbrauch. Nach der Wahl der Route taucht zudem ihr Höhenprofil auf. Ein weiterer Klick und ich bin auf der Karte, die mir erst in der Übersicht die Strecke und die vermutliche Fahrtzeit anzeigt. Kohlendioxidemission übrigens für das Beispiel Fußgänger: 0 Gramm. Hier spricht die Karte mit mir. Beispiel Auto: Hier wird mir zusätzlich zur Kohlendioxidemission auch angezeigt, wieviel diese Fahrt mit dem Taxi kosten würde. Auch nett.
Und dies sind noch längst nicht alle Funktionen. Zusätzlich kann ich mir Hotels, Restaurants, Supermärkte und Sehenswürdigkeiten an einem Ort anzeigen oder mir Mails über Verspätungen meiner Zuglinien zuschicken lassen. Aber mein persönlicher Favorit ist der Desasterdienst, der mir nach einem Erdbeben die freien Straßen anzuzeigen verspricht. Allein in diesem Fall kann sich die kleine Investition bezahlt machen.
Ich finde es erfreulich, dass es noch solche Dienste gibt, die Googles teuflischen Pakt "Unser- freies-Angebot-fĂĽr-Deine-Daten" trotzen. Aber das Beispiel zeigt auch, wieviel Aufwand notwendig ist, ein Bezahlmodell aufrechtzuerhalten. Ich hoffe nur, dass solche Dienste finanziell durchhalten.
(jlu)