Programme zur Erkennung von Plagiaten werden besser

GegenĂĽber frĂĽheren Tests von Software zur Plagiaterkennung in Texten haben sich die Systeme deutlich verbessert. Doch auch die guten Programme haben nur eine Erfolgsquote von 75 Prozent.

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Von
  • Richard Sietmann

Die Plagiarismusexpertin Debora Weber-Wulff hat erneut gängige Softwareprodukte zur Erkennung von Plagiaten auf den Prüfstand gestellt. Nachdem sie in früheren Untersuchungen 2004 und 2007 zu dem ernüchternden Ergebnis gekommen war, dass sich kaum eine Software eignete, eine Arbeit zuverlässig daraufhin zu überprüfen, ob der Verfasser oder die Verfasserin fremde Texte ohne Quellenangabe übernommen und als eigene ausgegeben, fällt ihr Resümee in diesem Jahr erfreulicher aus.

"Die Systeme haben sich deutlich gebessert", berichtet die Professorin für Internationale Medieninformatik an der Berliner Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW). "Während man bis vor kurzem genausogut eine Münze hätte werfen können, vermochten die guten Softwareprodukte jetzt mindestens 75 Prozent der Testfälle richtig zu deuten."

Insgesamt haben Weber-Wulff und ihre studentische Mitarbeiterin Katrin Köhler in den vergangenen Monaten 24 Erkennungssysteme untersucht; 16 davon konnten sie schließlich bewerten. Dazu wurden die Systeme mit 41 Aufsätzen gefüttert und dabei auch der Bedienkomfort einbezogen. Die unmöglichen Fälle – das heißt solche Plagiate, die kein System erkennen konnte, die aber geschulten Lehrkräften durchaus auffallen – rechneten die Tester heraus.

Zum ersten Mal führten die Plagiatsforscher auch systematische Tests zur Erkennung von sogenannten Kollusionen durch. Damit meinen sie die Praxis mancher Studierenden, bereits existierende Arbeiten von Kommilitonen zu übernehmen, sie leicht zu modifizieren und dann als eigene Arbeiten in der Hoffnung einzureichen, dass dies in der Fülle der Arbeiten nicht auffällt.

Testsieger der Untersuchung 2008 ist die Software "Copyscape Premium". Das Produkt stammt von der Indigo Stream Technologies Ltd, die auch Google-Alerts betreibt. Bei der Premium-Version werden 5 Cent pro Suche fällig. Die kostenlose Version "Copyscape free", die zehn Mal pro Monat genutzt werden darf, landete immerhin auf Platz 3.

Als nach wie vor problematisch bezeichnet die Plagiatsforscherin die von den Herstellern stark beworbenen Systeme wie Turnitin oder Plagiarism-Finder. Diese würden zwar gelegentlich fündig werden, blieben aber im Vergleich mit anderen Systemen weit abgeschlagen. Die Ergebnisse ihrer Tests hat die Plagiatsforscherin den Herstellern, die der FHTW-Professorin die kostenlose Nutzung ermöglicht hatten, wie in den Vorjahren zur Verfügung gestellt. (Richard Sietmann) / (vbr)