Dänemarks Regulierer halten Roaming für überteuert

Nach Ermittlungen der dänischen Regulierungsbehörde auf Basis von Provider-Angaben müssen Verbraucher beim Mobilfunk-Roaming ein Vielfaches der tatsächlich anfallenden Kosten bezahlen.

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Tarife fürs Mobilfunk-Roaming in einem anderen Land betragen ein Vielfaches der tatsächlich anfallenden Kosten. Dies geht aus einer Untersuchung der dänischen Regulierungsbehörde NITA (National IT and Telecom Agency) hervor, die sich auf Angaben von Mobilfunk-Netzbetreibern stützt. So müssen dänische Endkunden durchschnittlich umgerechnet 33,6 Eurocent für den Versand einer SMS in ein anderes EU-Land bezahlen – das Zehnfache des Inlandspreises von 3,4 Cent.

Die dänischen Anbieter zahlen ausländischen Netzbetreibern durchschnittlich 17,2 Cent pro SMS, die ein dänischer Kunde im ausländischen Netz verschickt, und schlagen weitere 9,7 Cent auf den Preis auf. Zusammen mit der dänischen Mehrwertsteuer ergibt das 33,6 Cent. "Die Analyse zeigt, dass die tatsächlichen Kosten des ausländischen Unternehmens dafür, einen dänischen Mobilfunkkunden das Netz für den Versand einer SMS benutzen zu lassen, weniger als 0,7 Eurocent betragen", schreibt NITA. Würde das dänische Unternehmen nur 2,7 Cent aufschlagen, könne es seine Kosten decken und noch Gewinn machen. Inklusive Steuer ergäbe sich dann ein Endkundenpreis von 4,2 Cent.

Nach Berechnungen der NITA sollte der Versand eines Roaming-MMS in der EU statt 78 nur 27,7 Cent und der Empfang statt 58,4 Cent nur 12,1 Cent kosten. Beim Datenroaming seien anstatt der derzeit verrechneten 6,5 Euro pro MByte nicht mehr als 1,18 Euro gerechtfertigt. Dieser Wert liegt sogar noch unter dem mittleren dänischen Inlandspreis von 1,48 Euro. Die NITA sieht keine Anzeichen dafür, dass dänische Mobilfunker wesentlich geringere Kosten hätten als Anbieter in anderen EU-Staaten. Daher ließen sich die Erkenntnisse auf die gesamte EU übertragen.

Der dänische Technologieminister Helge Sander ermuntert nun die zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding, die Preise für Datenroaming zu regulieren, "da sich deutlich herausgestellt hat, dass der Markt inadäquat ist, mit der Materie umzugehen." Außerdem fordert er eine weitere Senkung der Preisobergrenzen für Sprachroaming in der EU. Erstens weise die Verordnung ein "unglückliches Schlupfloch" auf: Sie schweige über die anzuwendenden Abrechnungstakte. Die Endkunden müssen in der Regel nach einem Minutentakt bezahlen, was verglichen mit der im Großhandel üblichen Sekundentakt-Abrechnung eine Mehrbelastung von 25 bis 35 Prozent bedeutet. Auch die Kostenberechnung im Vorfeld der Roaming-Regulierung erfolgte auf Sekundenbasis. Zweitens seien die Terminierungsentgelte deutlich stärker gesunken als zur Festlegung der Preisgrenzen angenommen. Diese Veränderung solle auch bei den Endkundenpreisen berücksichtigt werden. (Daniel AJ Sokolov) (hps)