Kommentar zur Earth Hour: Eine Stunde zum Nachdenken

Am Samstagabend um halb neun sollen überall auf der Welt für eine Stunde die Lichter ausgehen. Die Aktion soll den Umweltschutz voranbringen – zumindest indirekt.

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Ein Kommentar von Christof Windeck
Christof Windeck, c't

Christof Windeck (ciw) schreibt fĂĽr c't und heise online ĂĽber PC- und Server-Hardware. Er kam nach einem Studium der Elektrotechnik und sieben Jahren in einem kleinen Industriebetrieb 1999 zur c't und ist heute leitender Redakteur des Ressorts PC-Hardware.

Seit 2007 gibt es die "Earth Hour": Eine Stunde Dunkelheit fĂĽr die Umwelt. Die direkten Auswirkungen des Projekts sind freilich gering, weil die elektrische Beleuchtung nur einen kleinen Anteil am gesamten Stromverbrauch hat und auĂźerdem viel mehr Energie in anderen Formen verheizt wird: Erdgas und Ă–l fĂĽr Raumheizung und Warmwasser in privaten Haushalten und Gewerbe, Kohle in der Industrieproduktion, Benzin, Diesel und Kerosin im StraĂźen-, Schienen-, Luft- und Schiffsverkehr.

Nach Schätzungen für das Jahr 2008 betrug der Anteil der Beleuchtung am gesamten Energieverbrauch privater Haushalte damals bloß 1 bis 2 Prozent – je nachdem, ob im Haushalt ein Auto genutzt wird oder nicht. Und das war noch vor dem Glühlampenverbot der EU. Rechnet man auch die Beleuchtung von Straßen, Läden und Firmen mit dazu, schätzt die AG Energiebilanzen den Anteil der Beleuchtung auf 4 Prozent des gesamten deutschen Energieverbrauchs des Jahres 2011.

Die Earth Hour ist also eine symbolische Aktion, bei der einerseits jeder und jede leicht mitmachen können und die andererseits ein sichtbares Signal aussendet: Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Auch der Aspekt der zunehmenden Lichtverschmutzung, die manche Tiere verwirrt, wird deutlich.

Die Earth Hour 2008 in Rom

(Bild: saveourclimate, CC BY 2.0)

Vor allem aber zeigt die Earth Hour, wie sehr wir uns an die Allgegenwart billiger Energie und somit auch künstlicher Beleuchtung gewöhnt haben und kaum jemals noch darüber nachdenken, wo der Strom eigentlich herkommt. Während wir im Dunkeln sitzen, geht uns vielleicht ein Licht auf. (mho)