Nächster Versuch beim drahtlosen Laden

Noch hat sich die kabellose Stromversorgung für Mobilgeräte nicht durchgesetzt. Das US-Unternehmen WiTricity will nun mit Hilfe eines Industriekonsortiums die Technik in den Markt bringen.

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  • David Talbot

Noch hat sich die kabellose Stromversorgung für Mobilgeräte nicht durchgesetzt. Das US-Unternehmen WiTricity versucht es nun mit einer verbesserten Technik.

Da kann der Hauptprozessor noch so schnell sein und die Ausstattung noch so luxuriös: Am Ende braucht jedes Handy ein Ladekabel und eine Steckdose. Verbraucher warten seit Langem auf eine brauchbare Lösung für kabelloses Laden. Tatsächlich arbeitet die Elektronikindustrie schon seit mehreren Jahren an der Technik. Was aber fehlt, sind weit verbreitete Standards. Einige Produkte wie etwa Nokias Lumia 920 arbeiten mit hauseigenen Verfahren. Dabei benötigt man dann eine zum Handy passende Ladeplatte, was nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann.

Doch jetzt könnte sich die Branche endlich auf eine deutlich verbesserte Technik einigen, die sogar über größere Distanzen laden kann. Die Geräte müssten nicht mehr direkt auf einer Ladematte liegen. Stattdessen soll es ausreichen, sie in ihrer Nähe etwa auf einen Tisch zu legen. Das System soll sogar mehrere Handys und Tablets auf einmal laden können.

Die grundlegenden Patente für diese Technik hält das US-Unternehmen WiTricity aus Watertown in Massachusetts. Es hat sich im Februar mit mehreren Industriepartnern zusammengetan. Die Gruppe namens "Alliance for Wireless Power" hat eine Marke für kabellose Langstrecken-Ladegeräte ins Leben gerufen: Rezence. "Alle wichtigen Player im Markt denken entweder über die Technik nach oder setzen sie bereits um", sagt Kaynam Hedayat, Vizepräsident für Marketing bei WiTricity.

Auf dem Mobile World Congress im spanischen Barcelona präsentierten Samsung und der Chiphersteller Qualcomm, wie es funktionieren könnte. Sie legten Prototypen eines für Rezence aufgebohrten iPhones, eines Galaxy S3 und eines Qualcomm-Toq-Headsets auf einen Tisch. Schon gingen die Ladeanzeigen an. Das Netzteil war unter die Tischplatte geschraubt worden und auf eine bestimmte Distanz eingestellt – in diesem Fall 4,5 Zentimeter, was deren Dicke entsprach.

Bei drahtlosen Ladesystemen wird Strom durch eine Spule geschickt, was ein elektromagnetisches Feld erzeugt. Dieses regt dann eine Gegenspule in einem in der Nähe befindlichen Mobilgerät an, was wieder Strom fließen lässt. Bei bisherigen Systemen wie Nokias Lumia-Variante mussten die Spulen sehr eng beieinanderliegen – die Geräte also auf der Ladematte sein. Denn die Ausbreitung der elektromagnetischen Felder im Raum ginge sonst mit zu hohen Verlusten einher.

Beim neuen Verfahren namens "Highly Resonant Technology" können die beiden Spulen weiter voneinander entfernt sein. Die erste erzeugt ein oszillierendes Magnetfeld, das vom zweiten aufgefangen wird. Dabei sind sie so aufeinander abgestimmt, dass sie eine gemeinsame Resonanzfrequenz haben. Das erlaubt das Laden über größere Distanzen.

Die Ladegeräte lassen sich unter nahezu jede Ablagefläche in Restaurants, Flughäfen, Kongresszentren, Büros und an vielen anderen Orten einbauen. Dann dürften diese Szenen in den Restaurants rund um den Mobile World Congress in Barcelona seltener werden: Kongressbesucher hatten ihr teures Smartphone oder Tablet samt Netzteil gegen ein kleines Trinkgeld an einen Kellner abgegeben, damit dieser eine Steckdose dafür fand. (bsc)