Schweiz: Mehr Hinweise auf Internet-Betrug

Neuer Höchststand bei Beschwerden über Internetkriminalität in der Schweiz: Noch niemals zuvor meldeten sich so viele Internetnutzer mit Hinweisen bei den Behörden. Während Phishing boomt, geht die Zahl der gemeldeten Kinderpornografie stark zurück.

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Von
  • Tom Sperlich

Im vergangenen Jahr haben deutlich mehr Schweizer Bürger Fälle von Online-Betrug oder Phishing bei der zuständigen Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik) angezeigt. Das geht aus dem Jahresbericht hervor, den die Behörde am Donnerstag vorgelegt hat. Die Kobik ist die offizielle Anlaufstelle für Bürger, die verdächtige Internetinhalte über ein Online-Formular melden können.

2013 gingen bei Kobik demnach insgesamt 9208 (Verdachts-)Meldungen ein. Das entspricht einer Zunahme von 11,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr mit 8241 Hinweisen. In rund zehn Prozent der gemeldeten Fälle gab es keinen strafbaren Hintergrund. 60,7 Prozent der 2013 eingegangenen Meldungen betrafen Vermögensdelikte. Damit setzte sich der konstante Anstieg fast aller Meldungskategorien, wie er schon in den Vorjahren zu verzeichnen war, auch 2013 fort.

Die Anzahl der Meldungen von Websites mit Kinderpornografie sank gegenüber 2012 deutlich um 47 Prozent auf 1414 Hinweise. Damit befindet sich die Kategorie "Verbotene Pornografie mit Kindern" erstmals hinter den Kategorien "Betrug" und "Phishing". Die gemeldeten Betrugsvarianten sind dabei vielfältig, heißt es in dem Bericht. Zugenommen haben etwa Betrugsversuche auf Auktions- und Kleinanzeigeplattformen, bei denen sowohl Käufer als auch Verkäufer abgezockt werden sollten.

Laut Kobik betreiben Täter einen zunehmenden Aufwand, um Betrugsversuchen eine höhere Glaubwürdigkeit zu verleihen. So würden beispielsweise komplette Webauftritte von erfundenen Transportfirmen inklusive angeblichen Paket-Tracking-Systemen aufgebaut, um die Geschädigten möglichst lange im Glauben zu lassen, dass sich die bestellte oder versandte Ware noch im Transport befände. Auch wissen Täter offenbar gut über die aktuellen Verhältnisse in der Schweiz Bescheid. So wird etwa die Wohnraumknappheit in Ballungsgebieten ausgenutzt, um von Wohnungssuchenden auf Immobilien-Sites Vorauszahlungen für Mietobjekte zu erschleichen.

Auch die Phishing-Fälle haben deutlich zugelegt. So kletterte die Zahl der Verdachtsfälle um das Dreifache auf 2208 Meldungen an. Ihr Anteil hat sich demgemäss gegenüber dem Vorjahr (662 Meldungen) mehr als verdreifacht. Bei rund einem Fünftel der gemeldeten Phishing-Hinweise hatten es Angreifer auf die Zugangsdaten für schweizerische Bankinstitute abgesehen.

Kobik nimmt nicht nur Meldungen aus der Bevölkerung entgegen, sondern sucht auch selbst nach strafrechtlich relevanten Inhalten im Internet. Aufgrund der eigenen Recherchen wurden 2013 insgesamt 423 Anzeigen erstellt. Darunter befanden sich 238 Personen, denen der aktive Austausch von Kinderpornografie auf Peer-to-Peer-Netzen nachgewiesen werden konnte. (vbr)