Intershop-Chef tritt ab

Der angeschlagene Jenaer Software-Hersteller hat schon wieder einen neuen Chef: Nach internen Querelen trat Andreas Riedel kurz vor der heutigen Hauptversammlung zurück. Henry Göttler rückt auf.

vorlesen Druckansicht 14 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.
Von
  • dpa

Beim angeschlagenen Software-Anbieter Intershop gehen die Personalquerelen weiter. Der Vorstandsvorsitzende des börsennotierten Unternehmens, Andreas Riedel, hat sein Amt niedergelegt, bestätigte eine Unternehmenssprecherin am heutigen Dienstag auf Anfrage. Riedel hatte die Leitung des auf Programme für den Internet-Handel spezialisierten Jenaer Unternehmens erst im Oktober 2007 übernommen. Er ist bereits der dritte Vorstandschef, der Intershop innerhalb eines Jahres verlässt. Nach Firmenangaben wurde Henry Göttler, bisher verantwortlich für Produktenwicklung und Servicegeschäft, zum einzigen Vorstandsmitglied berufen.

Dem Rücktritt von Riedel am gestrigen Montag, einen Tag vor der heutigen Aktionärsversammlung des Unternehmens, sollen interne Auseinandersetzungen in der Intershop-Führungsmannschaft vorausgegangen sein. Riedel hatte am 19. Juni den Prokuristen Ludger Vogt, der auch für Vertrieb und Großprojekte zuständig war, fristlos entlassen. Vogt stand zusammen mit dem 42 Jahre alten Göttler für den Sanierungskurs, der Intershop im vergangenen Jahr aus der Existenzkrise gebracht hatte. Seine Entlassung habe die Belegschaft aufgebracht, sagte ein Mitarbeiter. Es habe Kritik an der Entscheidung gegeben.

Riedel hatte im Oktober vergangenen Jahres die Intershop-Leitung von Friedhelm Bischofs übernommen, der im April nach einer Aktionärsrevolte mit Änderungen im Aufsichtsrat auf den Vorstandssessel gekommen war. Bischofs, der sich als Übergangschef verstand, setzte die Sanierung fort und arbeitete an einem erweiterten Geschäftsmodell. Neben Programmen für den Online-Handel will Intershop sich auch als Anbieter von Serviceleistungen für die Abwicklung der Internet-Geschäfte anderer Unternehmen profilieren.

Der Intershop-Aufsichtsratsvorsitzende Michael Sauer bezeichnete nach einem MDR-Bericht die Einsetzung von Riedel, der zuvor unter anderem bei der Metro AG gearbeitet hatte, als Fehlentscheidung. Die Chemie in der FĂĽhrungsmannschaft und mit den Mitarbeitern habe nicht gestimmt.

Intershop hat nach verlustreichen Jahren seit Mitte vergangenen Jahres wieder schwarze Zahlen vorgelegt. Der einstige Internet-Pionier beschäftigt derzeit rund 240 Mitarbeiter. In den ersten drei Monaten 2008 wurde bei einem Umsatzplus von 35 Prozent auf 6,9 Millionen Euro ein Betriebsergebnis von 400.000 Euro erwirtschaftet. (dpa) / (vbr)