Google auf eine Milliarde Dollar Schadenersatz verklagt
Die Softwarefirma LimitNone hat Google wegen angeblich widerrechtlicher Aneignung von Geschäftsgeheimnissen und Wortbruch verklagt. Streitpunkt ist ein Tool zur Migration von Outlook-Elementen in den Webmail-Dienst Gmail.
Ein kleines Softwareunternehmen aus Chicago hat den Online-Dienstleister Google wegen angeblich widerrechtlicher Aneignung von Geschäftsgeheimnissen und Wortbruch verklagt. Gestritten wird um ein kleines Tool, mit dem sich Kontakte und Kalendereinträge aus Microsoft Outlook in Googles Webmail-Dienst Gmail transferieren lassen. Vertreten wird das unter dem Namen LimitNone firmierende Unternehmen von Kelley Drye & Warren LLP, einer international agierenden Sozietät, die eigenen Angaben zufolge 375 Mitarbeiter beschäftigt.
In der beim Cook County Circuit Court in Illinois eingereichten Klage machen die Anwälte von LimitNone geltend, die Firma habe Google Anfang 2007 eine Software mit dem Namen "MY GRATE" präsentiert, mit der sich das zuvor ungelöste Problem einer Migration von Outlook-Elementen in den Gmail-Dienst bewerkstelligen ließ. Google habe LimitNone daraufhin in das "Enterprise Professional Program" aufgenommen und darum gebeten, das dann in "gMove" umgetaufte Tool weiterzuentwickeln und zu vermarkten.
Google habe zudem wiederholt garantiert, dass man nicht beabsichtige, selbst ein solches Produkt zu entwickeln, unterstreichen die Anwälte. Im Dezember 2007 habe der Konzern jedoch mitgeteilt, dass man inzwischen sehr wohl an einem Konkurrenzprodukt gearbeitet habe und beabsichtige, den mit ähnlichen Funktionen ausgestatteten "Google Email Uploader" künftig kostenlos an "Premium"-Kunden abzugeben. LimitNone sah sich dadurch getäuscht und suchte schließlich juristischen Beistand.
"Das Verhalten Googles ist schockierend", empört sich Susan Greenspon, die LimitNone in der Sache vertritt. Auf der einen Seite stehe ein börsennotierter Konzern, dem offenbar jedes Mittel recht sei, um den Umsatz weiter zu steigern, auf der anderen Seite eine kleine Entwicklerfirma, die Google dabei helfe, Produkte an den Mann zu bringen, dann aber links liegen gelassen werde. "Wir mussten hier Stellung beziehen", verdeutlicht auch der Geschäftsführer von LimitNone, Ray Glassmann.
Und die Stellung hat es in sich: Ausgehend von einem Preis von 19 US-Dollar für die gMove-Software und 50 Millionen potenziellen Käufern kommen die Kläger auf eine Summe von 950 Millionen Dollar, die allein als Schaden durch die kostenlose Abgabe einer Software entstanden sei, bei der man "Aussehen, Bedienung und Funktion bei gMove gestohlen" habe. Insgesamt belaufen sich die eingeklagten Ansprüche laut einer Mitteilung der Anwaltssozietät auf "nahezu eine Milliarde Dollar". (pmz)