Experten sehen Nachholbedarf bei eLearning fĂĽr Kinder und Senioren
Dem Deutschen Bundestag liegen zwei Studien zum eLearning und zur Mediennutzung in Schulen vor. Die Sachverständigen fordern darin ein übergreifendes Konzept für eLearning.
Es gibt noch nicht ausreichend eLearning-Angebote für Kinder und Senioren. Zu diesem Schluss kommen die Autoren zweier Berichte des Büros für Technikfolgenabschätzung zum Thema Zielgruppenorientiertes eLearning für Kinder und ältere Menschen (PDF-Datei) sowie zur Mediennutzung und eLearning in Schulen (PDF-Datei). Lernsoftware-Anbieter und Computerkurse-Veranstalter hätten zwar Kinder als Zielgruppe erkannt, doch die Angebote für ältere Menschen beschränkten sich meist auf den Erwerb von Medienkompetenz. Hier aber sei wegen der demografischen Entwicklung und der 20 Millionen älteren Menschen ohne Computer und Internet eine stärkere Entwicklung zu erwarten.
Kinder aus sozial besser gestellten Familien haben laut den Berichten größere Chancen, "Computer und Internet zu nutzen und einschätzen zu lernen", ärmere Kinder sitzen hingegen häufiger vor dem Fernseher. Eltern mit höherer Schulbildung gingen zudem tendenziell kompetenter mit Medien um. Aufgabe der Eltern ist es nach Meinung der Sachverständigen, die Kinder darauf hinzuweisen, den Computer nicht nur "konsum- und spielorientiert" zu nutzen. In den Schulen müssten noch stärker Angebote zur Vermittlung von Medienkompetenz entwickelt werden. Darauf müssten die Lehrer bereits während ihrer Ausbildung vorbereitet werden. Für schwache Schüler stelle eLearning hingegen eine Hürde dar, da es eine hohe Selbstmotivation, kognitive Fähigkeiten für Navigationsaufgaben, eigenständiges Strukturieren von vernetzten Lernangeboten sowie viel Selbststeuerung erfordere.
Deutliche Kritik üben die Autoren an der bisherigen Unterstützung der Schulen durch Bund und Länder. Seit 2000 sei zwar mehr als eine Milliarde Euro in eLearning-Projekte für Schüler investiert worden. Der Einsatz von Computern und Internet bewirke aber allein keine bessere Bildung. Nötig sei ein übergreifendes Konzept und eine Koordination zur Effizienzsteigerung. Das Konzept müsse die Lernziele aller Schulstufen umfassen und verbindliche Standards für die Integration medienbezogener Inhalte für alle Fächer in die Lehrerausbildung setzen. Es sei bislang offen, welche eLearning-Konzepte Lernerfolg bringen, hier bestehe weiterer Untersuchungsbedarf. Auch würden viele Projekte oft zeitlich begrenzt gefördert und müssten danach mangels Geld aufgegeben werden. Dabei sei eine realistische Einschätzung der Kosten für die Schulen erst nach der Pilotphase möglich, wenn auch Garantien für die Technik ausgelaufen seien, Ersatzkäufe anstünden oder externe Dienstleister mit der Pflege der Hard- und Software beauftragt würden.
Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung wird vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Forschungszentrums Karlsruhe betrieben. Es berät den Deutschen Bundestag und seine Ausschüsse in Fragen des wissenschaftlich-technischen Wandels. Der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung sieht die Berichte als Informationsgrundlage für die weiteren parlamentarischen Beratungen zu diesen Themen. (anw)